Curso de alemán nivel medio con audio/Lección 169c

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Archimedes (Teil 8)


Und der Greis war Konon? Der Lieblingsschüler Euklids? Der zweite, dessentwegen er gekommen war?
„Wir werden Zeit haben, über alles zu sprechen, Archimedes“, entschied Eratosthenes, der die Befangenheit des Gastes bemerkte. „Zeit haben ist das Geheimnis des Museions, Zeit ausfüllen seine Aufgabe. Wir lieben aber auch das Gegebene und Seiende. Du bist hier. Das ist schon ein Beginn, auf den sich bauen läßt. Und alles, vom Eingang, an dem dich der Soldat aufhielt, bis hinten zur Mauer des Königspalastes gehört dir. Mehr als das. Es wurde deinetwegen gebaut. Und darüber hinaus dient deinen Wünschen das ganze Reich des Ptolemäers bis nach Äthiopien und die anderen Reiche der bewohnten Erde durch seine Gesandten. Ich sehe aber, dass mich Sosibios, der Grammatiker, schon höhnisch anblinzelt. Er hasst das Pathos. Nun, wie er will. Wir werden ihn dann bei Tisch fragen, ob seine Angelegenheit bereits in Ordnung ist. Zur Strafe. Daraus aber ergibt sich nach der Logik des Aristoteles und ebensowohl grammatisch, dass wir nur fragen können, wenn wir zu Tisch gehen. Darf ich dich, Archimedes, mit einem Widerspruch im Beisatze bitten, unser Gast an deinem eigenen Tisch zu sein? Wir haben Hunger und „der Weitgereiste verlangt nach duftender Speise“, wie ein Homeride einmal gesagt haben soll.“
„Ich werde deine Bosheiten bei nächster Gelegenheit erwidern, einziger Betal“ sagte der Grammatiker mit gespielter Gekränktheit. Dann setzte er mit flötender Stimme fort: „Vorläufig begnüge ich mich mit einem Spruch des Sokrates: Du ziehst ein bleiernes Schwert aus elfenbeinerner Scheide, Eratosthenes.“ Und er kicherte auf.
Auch Eratosthenes lachte und wandte sich an Archimedes und Konon.
„Das nennt er verschobene Rache. Er hat den Vordersatz unterdrückt. Die Stelle lautet vollständig: ‚Als Sokrates einen schönen Jüngling Ungeziemendes schwatzen hörte, sagte er: Schämst du dich nicht, aus einer elfenbeinernen Scheide und so weiter. Liebenswürdig von Sosibios, dass er mich für einen schönen Jüngling ausgibt. Weniger liebenswürdig, dass er mich ungeziemenden Geschwätzes bezichtigt. Aber das ist die Kehrseite unserer Bemühungen, Archimedes. Es soll Tiere geben, die zur Übung beißen, damit sie im Ernstfall geschliffene Zähne und elastische Kaumuskeln haben. Wir werden ihn bei Tisch trotz allem nach dem Stand seiner Kontroverse mit dem König fragen. Gehen wir jetzt.“
Auf dem kurzen Weg, der durch die Wandelhallen und durch einige Gänge zu den großen Speisehallen führte, fasste Konon den Archimedes freundschaftlich beim Arm.
„Wenn es dir passt, Archimedes, und dich die Reise nicht zu sehr ermüdet hat, will ich dir um Mitternacht auf unseren Dächern einiges zeigen. Ein Wunder des Himmels und ein Wunder der Erde. Auch Beta will dabei sein. Du versäumst aber auch nichts, wenn du schläfst. Der Himmel wird morgen ebenso klar sein wie heute und übermorgen wie morgen. Diese Ruhe schafft unsre Werke und Euklids Elemente sind das Heldenepos unsrer Zeitlosigkeit. Was Aristoteles den großen Alexander lehrte, haben Alexander und seine Diadochen hier geschaffen. Hier ist zum erstenmal auf der Welt aus allem Geschehen lauterste Form geworden. Du wirst das später verstehen. Eben du, der du irgendwo ein bacchantischer Nachläufer des dunklen Herakleitos bist. Nimm es nicht als Angriff, was ich da spreche, nicht als Tadel. Du kamst freiwillig, und wir wollen dir zeigen, wie wir über alle Dinge des geistigen Kosmos denken. Wir sind zu freiester Auseinandersetzung verpflichtet.“
Archimedes schrak zusammen. Er verstand genau, was Konon meinte. Besser, es war jetzt schon ausgesprochen worden als später. So war er kein Spion, kein Einschleicher, sondern ein erkannter Gegner. War er ein Gegner? Wollte er nicht ebenso wie jeder Hellene die Form, die reinste, klarste, durchsichtigste Harmonie? Was konnte er dafür, dass ihm die Götter ein wildes Herz gegeben hatten? Mehr noch, ein wildes Auge, das die letzten Teile der Erscheinungen zerteilen, und ein wildes Ohr, das selbst der Disharmonie lauschen wollte? Warum spielte man draußen auf der Kanopischen Straße mit Pfeifen und Sistren? Warum nicht mit der Zither oder der Hirtenflöte?
„Ich werde mich bemühen, ein aufmerksamer Schüler zu sein, Konon“, erwiderte er bescheiden. „Und der Geist Euklids, mit deinem Geist durchtränkt, wird mich vielleicht läutern und auf andere Wege führen. Vielleicht. Mehr kann ich nicht versprechen.“
„Auch der Wille allein ist ein Verdienst. Das Erreichbare haben bisher stets die Götter bestimmt, die gerade in unserer Zeit so allmächtig geworden sind, dass niemand mehr an sie glaubt; weil die Schwäche und Unstetigkeit der Menschen in allem riesigen Schicksal nur mehr das Walten des Zufalls sieht“, sagte Konon leise vor sich hin.
Archimedes hatte keine Gelegenheit, Konon zu fragen, was der tiefste Sinn dieser letzten Sätze sei. Er ahnte zwar, dass der Mathematiker auf die Philosophie des Straton anspielte und dass er darüber hinaus die Götter für besonders mächtig erklärte, weil eben die Gegenwart so riesenhaftes Geschehen zeitigte, das die Menschen wieder, gleich dem trostlosen Alexandriner Straton, für Zufall hielten, anstatt die Ursachen und die Zusammenhänge solchen Schicksals zu ergründen - wobei sie wahrscheinlich zuletzt auf Göttliches gestoßen wären. Aber er hatte auch zu dieser Überlegung kaum mehr Musse. Denn eine grundlegende Verwandlung hatte plötzlich sowohl Eratosthenes als Sosibios als Konon zu heiteren Privatleuten gemacht. Das Museion des Denkens und Forschens war weggewischt, als sie den Speisesaal betraten, und das andere Museion des zeitlosen Lebens und Genießens war an dessen Stelle emporgetaucht.
Auch Archimedes war sogleich im Banne dieses Speisesaales, ohne dass ein weiteres Wort einer Erklärung nötig gewesen wäre. Es war nicht die verschwenderische Pracht der königlichen, säulengetragenen Halle mit all den Standbildern, dem Goldzierat, den dunkelroten Wänden, auf deren Grund farbensatte Gemälde doppelt hell leuchteten. Es waren auch nicht die Edelholztische mit den kunstreichen Bronzefüßen. Nichts Äußerliches war es. Den Eindruck schuf vielmehr der Rhythmus der Menschen, die schon bei den Tischen saßen oder aus hohen Portalen in allen Wänden des Saales hereinkamen. Fürstliche Unbeschwertheit über jedem Schritt, Freude am Gestern, am Heute, am Morgen. Höchste Weltherrschaftsgefühle, das Gefühl, Herren zu sein des geistigen Kosmos aller Länder und aller Zeiten. Endlich den Sieg erstritten zu haben für das geistige Reich, das fast stets bisher ein Reich der Armut oder der Machtlosigkeit gewesen war. Platonische Gastmahlserinnerungen zu Märchenträumen überhöht.
Es waren Männer aller Altersstufen anwesend. Und Jünglinge hinab bis zum Knabenalter.