Curso de alemán para avanzados con audio/Lección 001b

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Lección 001b → Lección 002b

AB1 - AB5[editar]

AB1

moderne (unleserliche) Handschrift
Sütterlin
Die folgenden Lektionen beschäftigen sich mit der alten deutschen Schrift - der Sütterlinschrift.
Darauf aufbauend werden wir danach (ab Lektion 011b) versuchen Feldpostbriefe eines deutschen Soldaten zu entziffern, die er seiner Mutter geschrieben hat. Es handelt sich um gut 200 Briefe, die Heinz Koch (* 1922 in Wien, † 1945 in Bad Blankenburg) zwischen 1941 und 1945 an seine Eltern in Wien von der Ostfront geschrieben hat. Parallel zu diesen Briefen werden wir uns mit der Geschichte des 2. Weltkrieges etwas eingehender beschäftigen.
Vorher jedoch müssen Sie beim Lesen deutscher Handschriften und der Fraktur - die gedruckte alten deutsche Schrift - sattelfest werden. Dazu werden wir ältere Texte und Gedichte in Fraktur und in Handschrift lesen.
Das Entziffern von unleserlichen Handschriften erfordert gute Sprachkenntnisse, da sehr oft erraten werden muss was die gekritzelten Worte bedeuten.
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Was hat die Sütterlinschrift in einem Sprachlehrgang zu suchen?
Wer eine Sprache beherrscht, der kann in Windeseile fehlende Informationen ergänzen.
  • Er hört einen Satz und weiß wie er zu Ende gehen muss oder sollte - und wenn er das nicht tut, dann wird er sofort ganz aufmerksam.
  • Er versteht einen Satz, auch wenn mal einige Wortfetzen oder Worte fehlen.
  • Er kann einen Text lesen, in dem einige Wortbestandteile oder Worte fehlen. (Einen schönen Beweise dafür liefert Übung F88 in Lektion 002)
  • Er kann einen unleserlichen Text, der also für ihn Lücken hat, entziffern, weil er in seinem inneren Wörterbuch Hunderte möglich Varianten parat hat.
  • Er versteht Radiosendungen oder Funksprüche die nur schwer verständliche sind (verstümmelter Ton, laut mit Musik unterlegt), weil er in seinem Kopf die fehlenden Informationen ergänzen kann.
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Wofür braucht man Sütterlinschrift im Leben?
Man braucht sie nicht, aber man nennt es BILDUNG.
Sütterlinschrift und die eng verwandete Kurrentschrift ermöglicht das Lesen alter Briefe (vor 1942) und Dokumente.
Das Erlernen der Sütterlinschrift gehört zur Ausbildung im Geschichtsstudium, um sich mit diesen Kenntnissen selber in Archiven einlesen zu können.
Sütterlinschrift zu Erlernen kann ein Schritt auf dem Weg sein, um sich in andere Zeichensysteme einzulesen: kyrillische Schrift, griechische Schrift, arabische Schrift, Stenografie, chinesische Schriftzeichen, thailändische Schrift, Hyroglyphen usw.
Übrigens braucht man auch keinen Blinddarm, keine Weisheitszähne und den kleinen Zeh braucht man man auch nicht unbeding. Auch ohne die Milz und einen Teil des Magens geht es irgendwie.
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Die nächsten drei Lektionen beschäftigen sich jedoch erst einmal mit einigen theoretischen Artikeln zur Entwicklung der Druckschrift und Schreibschrift, sowie mit der Kaligrafie, mit dem „ß“ und verschiedenen Regeln der s-Schreibung.
Wer das überspringen möchte kann in der Lektion 4 ein handschriftliches Reisetagebuch lesen und ab Lektion 5 gleich mit dem Erlernen der Sütterlinschrift beginnen.


AB2

Sütterlinschrift, deutsches Alphabet
Sütterlinschrift, lateinisches Alphabet
Die Sütterlinschriften, meist einfach Sütterlin genannt, sind zwei im Jahr 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschriften für das Erlernen von Schreibschrift in der Schule.
Neben der deutschen Sütterlinschrift, die eine spezielle Form der deutschen Kurrentschrift darstellt, entwickelte Ludwig Sütterlin auch eine stilistisch vergleichbare lateinische Schreibschrift.
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Geschichte:
Es war im 19. Jahrhundert in England Mode geworden, mit der neu entwickelten stählernen Spitzfeder zu schreiben. Die sehr schräge englische Schreibschrift mit ihren großen Unter- und Oberlängen und ihrem veränderlichen Strich (Schwellzug) ist zwar dekorativ, aber technisch schwer zu schreiben. In Deutschland schrieb man damals ähnliche Schriften mit deutschen Buchstabenformen.
Um den Kindern das Schreibenlernen zu erleichtern, vereinfachte Sütterlin die Buchstabenformen, verringerte die Ober- und Unterlängen (Lineatur im Verhältnis 1:1:1), stellte die relativ breiten Buchstaben aufrecht und ließ sie im Gleichzug mit einer Kugelspitzfeder schreiben. In allen diesen Merkmalen ist sie den heute verbreiteten Antiqua-basierten Schulschriften ähnlich.
Die deutsche Sütterlinschrift wurde ab 1915 in Preußen eingeführt. Sie begann in den 1920er Jahren die bis dahin übliche Form der deutschen Kurrentschrift abzulösen und wurde 1935 in einer abgewandelten Form (leichte Schräglage, weniger Rundformen) als Deutsche Volksschrift Teil des offiziellen Lehrplans. In der Folge des Normalschrifterlasses wurde allerdings auch sie mit einem Rundschreiben vom 1. September 1941 verboten, nachdem bereits mit Rundschreiben von Martin Bormann (Kanzleichef der NSDAP) vom 3. Januar 1941 die Verwendung gebrochener Druckschriften (Frakturtypen) untersagt worden war. Als Ausgangsschrift wurde nach dem Verbot der deutschen Schrift ab 1942 in den Schulen die lateinische Schrift in einer Variante, die Deutsche Normalschrift genannt wurde (Proportionen 2:3:2, Schrägstellung, Ovalformen), eingeführt. An west- und ostdeutschen Schulen wurde nach 1945 außer der lateinischen Ausgangsschrift die deutsche Schreibschrift teilweise bis in die 1980er Jahre zusätzlich gelehrt.
In Deutschland gibt es verschiedene Initiativen und Vereine, die beim Entziffern von Texten in Sütterlin- und anderen alten Schriften helfen. Ein Beispiel ist die „Sütterlin-Schreibstube“ in Konstanz oder die Sütterlinstube Hamburg.
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Variante (deutsches Alphabet):
Die folgende Variante der Sütterlinschrift (deutsches Alphabet) verwendet einen von R. G. Arens erstellten Computerzeichensatz. Die Buchstaben weisen deutliche Abweichungen zu Sütterlins ursprünglicher Ausgangsschrift auf, etwa reduzierte Oberlängen und natürlichere Formen, was zu einem weniger geometrischen Aussehen führt.
Sütterlin letter A.pngSütterlin letter B.pngSütterlin letter C.pngSütterlin letter D.pngSütterlin letter E.pngSütterlin letter F.pngSütterlin letter G.pngSütterlin letter H.pngSütterlin letter I.pngSütterlin letter J.pngSütterlin letter K.pngSütterlin letter L.pngSütterlin letter M.pngSütterlin letter N.pngSütterlin letter O.pngSütterlin letter P.pngSütterlin letter Q.pngSütterlin letter R.pngSütterlin letter S.pngSütterlin letter Eszett.pngSütterlin letter T.pngSütterlin letter U.pngSütterlin letter V.pngSütterlin letter W.pngSütterlin letter X.pngSütterlin letter Y.pngSütterlin letter Z.pngSütterlin letter A-umlaut.pngSütterlin letter O-umlaut.pngSütterlin letter U-umlaut.pngSütterlin numerals.png
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Schriftbeispiele

AB3

Karl Ludwig Sütterlin
Ludwig Sütterlin
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Ludwig Sütterlin (* 15. Juli 1865 in Lahr im Schwarzwald; † 20. November 1917 in Berlin) war Grafiker, Buchgestalter, Kunstgewerbler, Schriftgestalter und Pädagoge und der Entwickler der Sütterlinschrift.
Sütterlin zog mit 23 Jahren von seiner Heimatstadt Lahr im Schwarzwald nach Berlin. Am Berliner Kunstgewerbemuseum war er ein Schüler des Grafikers Emil Döpler, der den damals neuen deutschen Reichsadler entworfen hatte, und des Historienmalers Max Friedrich Koch. Sütterlin schuf viel beachtete Entwürfe für Plakate (u. a. das „Hammerplakat“ der Berliner Gewerbeausstellung 1896), Gläser („Sütterlin-Vasen“) und Lederarbeiten. 1902 gestaltete er die Prachtbände Marksteine aus der Weltliteratur in Originalschriften, was ihm zusätzliche Aufmerksamkeit eintrug. Er lehrte an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums zu Berlin, den späteren Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, an denen er auch Lehrgänge in künstlerischer Schrift abhielt, außerdem gab er Fachunterricht für Buchdrucker an der Handwerksschule in Berlin. Er starb 1917 möglicherweise an Unterernährung.

AB4

Humanistische Kursive von Niccolo Niccoli
Humanistische Minuskel von Poggio Bracciolini
Humanistische Kursive (Teil 1)
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Die humanistische Kursive (von lateinisch currere „laufen, rennen“) ist die Urform der lateinischen Schreibschriften. Sie wurde in im Renaissance-Humanismus in Italien entwickelt.
Durch den Einfluss der raschen Bewegungsausführung auf die Form der Schrift stellte sie das dynamisch betonte Pendant zur humanistischen Minuskel, der mehr statisch aufgebauten Buchschrift von Poggio Bracciolini (1380–1459), dar. Mit ihrer Erfindung wurden zugleich Voraussetzungen für die Entwicklung der kursiven Drucktype geschaffen.
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Entstehung der humanistischen Kursive:
Die humanistische Kursive hatte keine Vorbilder. Sie erhielt ihre Wesensart als humanistica corsiva durch die Verschmelzung von Elementen der italienischen Form der gotischen Kursive mit denen der neokarolingischen Minuskel.
Ihr Ursprung ist, wie auch der Ursprung der humanistischen Minuskel, eine Folge der Bemühungen Francesco Petrarcas (1304–1374) und Coluccio Salutatis (1330–1406) um eine klare, schlichte und gut lesbare Schrift als Gegenentwurf zu den gotischen (=„barbarischen“) Formen. Die Entwicklung der humanistischen Kursive ist eng mit dem Namen des Italieners Niccolò de’ Niccoli (1364–1437) in Florenz verbunden. Bei der Ausprägung ihrer charakteristischen Merkmale hat er im Umfeld der Frühhumanisten Coluccio Salutati, Poggio Bracciolini, Pomponio Leto, Leonardo Bruni, Flavio Biondo und anderen eine maßgebliche Rolle gespielt. Auch Niccoli war leidenschaftlicher Sammler antiker Manuskripte, die er kopierte und bearbeitete. Er stand in dem Ruf, ein hervorragender Schreiber zu sein, und bildete selbst Schreiber aus. Seine zügige Handschrift bildete sich Anfang des 15. Jh. immer mehr zu einer Konzept- bzw. „Schnellschrift“ aus. Dieser Prozess wurde unterstützt durch den neuen Beschreibstoff Papier. Das früheste aufgefundene Schriftbeispiel aus Niccolis Hand stammt aus dem Jahre 1423.
Zu den Innovationen von Niccolis Kursive zählt die Änderung des Buchstabens a von der humanistischen Minuskel in eine gerundete Form.
Niccolò de’ Niccolis vielleicht signifikanteste Änderung eines einzelnen Buchstabens war die des Kleinbuchstabens a in die „einstöckige“ Form ɑ, die sich so bis heute in den meisten lateinischen Schreibschriften findet.
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Charakter der humanistischen Kursive:
Im Gegensatz zur statisch betonten humanistischen Minuskel, die aus einzelnen Elementen zusammengebaut ist, zeichnet sich die Kursive durch die fortlaufende bzw. wenig unterbrochene Linienführung aus. Dieser Fluss wird durch die Verbindungen/Ligaturen, durch das Abschleifen der Form sowie durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Schräglage der Grundstriche unterstützt.
Da diese neue Schriftform im Detail nicht festgelegt (kanonisiert) war, entstanden vielfältige Varianten. So waren Mischformen/Hybride, bei denen einmal die gotischen Elemente, ein andermal die neokarolingischen Merkmale bzw. solche der humanistischen Minuskel dominierten, keine Ausnahme. Das breitgefächerte Spektrum von humanistischen Kursiven reichte von flüchtig geschriebenen Handschriften mit kurrenten Zügen (humanistica currens) bis hin zu formbetonteren Schriften, die mit etwas breiter zugeschnittenem Federkiel geschrieben waren und durch den Fett-Fein-Kontrast der Linien ästhetisch besonders reizvoll wirken. Zur Hervorhebung (Auszeichnung) von Überschriften, Kapitel- oder Satzanfängen wurden wie bei der humanistischen Minuskel die Formen der Capitalis von den römischen Inschriften verwendet. Zunächst meist unauffällig, klein und senkrecht stehend, nahmen diese Majuskel im Text in zunehmendem Maße die Schräglage der Kleinbuchstaben an, wurden teilweise dem jeweiligen Duktus des Schreibers angepasst und erst später Gegenstand kalligrafischer Ausdruckssteigerungen.

AB5

Humanistische Kursive (Teil 2)
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Ausprägung und Verbreitung des Stils der lateinischen Form der Kursive:
Einen wesentlichen Beitrag zur stilistischen Vervollkommnung der Kursive leisteten zunächst die florentinischen Kanzleien. Seit dem 15. Jh. entwickelte sich unter dem Einfluss humanistisch gebildeter Sekretäre eine neue Form der Kanzleischrift, die Cancellaresca italica. Diese entsprach in ihrer Grundstruktur dem Charakter der humanistischen Kursive und stellte eine Abkehr von der gotischen Kanzleischrift dar. Als Cancellaresca corsiva und Cancellaresca formata hatte sie sich in den päpstlichen Kanzleien für die Gestaltung der Breven (littera da brevi) als gut lesbare, einfach und schnell zu schreibende Schrift herauskristallisiert, die zugleich gehobenen ästhetischen Ansprüchen gerecht wurde. Die lateinische Form der Kanzleischrift zeichnete sich gegenüber den teils informellen, individuell geprägten humanistischen Handschriften (humanistica currens) durch einen formal gestrafften, schmallaufenden Duktus aus. Die elegante Wirkung der Cancellaresca italica wurde durch den ausdrucksvollen Kontrast in der Liniengestaltung, dem Wechselzug, unterstützt.
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Die Konsolidierung des kursiven Stils der lateinischen Schrift:
Unter den vielfältigen Erscheinungsformen der Cancellaresca, deren Bezeichnungen dementsprechend unterschiedlich ausfielen, war die Cancellaresca formata durch eine weniger schräge Grundstrichstellung charakterisiert. Aus dieser Variante entwickelte der Stempelschneider Francesco Griffo da Bologna im Auftrag des venezianischen Verlegers und Druckers Aldus Manutius um 1501 die erste kursive Drucktype aus Blei. Der Druck mit diesen schmallaufenden und damit platzsparenden Typen leitete mit den sogenannten Aldinen die Entwicklung der Taschenbücher ein. Ludovico degli Arrighi, genannt Vincentino, der auf eine lange Karriere als Kalligraf in der päpstlichen Kanzlei vor allem als scrittore da brevi apostolici (päpstlicher Brevenschreiber) zurückblicken konnte, schuf die jüngere Version der Kursive. Seine gestalterischen Intentionen waren dabei weniger auf den ökonomischen Faktor der Papierersparnis, sondern mehr auf die ästhetische Qualität der Schrift gerichtet.

AB6 - AB10[editar]

AB6

Humanistische Kursive (Teil 3)
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Kursive Drucktypen existierten über einen langen Zeitraum als eigenständige Textschriften von Büchern. In der Literatur zur Schriftgeschichte wird das 16. Jahrhundert auch als "Age of Italics" bezeichnet, weil viele Bücher, besonders in Italien, in kursiv gedruckt wurden. Erst nach und nach löste die Antiqua die kursiven Drucktypen als Brotschrift ab und kursive Drucktypen wurden nur noch zur Auszeichnung beispielsweise bei Titeln und Kapitelanfängen eingesetzt. 1702 stellte Phillippe Grandjean de Fouchy in Frankreich mit der Romain du Roi den ersten richtigen Typenverbund zwischen den zwei verschiedenen Schriften Antiqua und Kursive (Roman und Italic) her. Damit war die Weiterentwicklung der gedruckten Kursive als „Schwesterschrift“ der Antiqua auf den Weg gebracht. Danach diente die kursive Type in der Regel nur noch als Ergänzungs- bzw. Auszeichnungsschrift. Heute gehört sie als Schrift„schnitt“ zu einer Schriftfamilie.
Das Erlernen der Cancellaresca italica und ihre Verbreitung wurde vor allem durch die Schreibmeisterbücher gefördert. 1522 hatte Ludovico degli Arrighi als erster dieser Schriftform ein Lehrbuch (La Operina) gewidmet. Danach erschienen in Italien weitere Anleitungen, von denen besonders die der Schreibmeister Tagliente 1524 und 1446, Verini 1536, Palatino 1540, Cataneo 1545, Amphiareo 1554 und Cresci 1569 über ihre Zeit hinaus Bedeutung erlangten.
Die erste Cancellaresca nördlich der Alpen wurde 1540 von dem Universalgelehrten Gerard Mercator in den Niederlanden propagiert. Für die Beschriftung seiner Landkarten und Globen favorisierte er anstelle der gotischen Schrift die Cancellaresca italica, die danach 200 Jahre lang den Kartenstil geprägt hat. 1548 begründete Juan Yciar in Saragossa mit seinem Schreibmeisterbuch die Kalligraphie in Spanien. Darüber hinaus leistete Francisco Lucas, Madrid 1577, einen herausragenden Beitrag zur Vervollkommnung des Stils der Italic.

AB7

Humanistische Kursive (Teil 4)
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Die geschriebene Kursive in der Nachrenaissancezeit
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Die Entwicklung der lateinischen Kanzleischriften war bis in die Mitte des 16. Jh. vorwiegend vom Gebrauch der Breitfeder sowie durch den Holzschnitt bestimmt, mit dem die Vervielfältigung der Vorlagen in den Schreibmeisterbüchern erfolgte. Diese technischen Bedingungen unterstützten die Entwicklung einer „gesunden renaissancehaften Kernigkeit des Duktus“. Nach und nach wurde die Schlichtheit und Strenge der Form durch Neuerungen in der Schreibtechnik aufgegeben. Ein schmalerer Federnzuschnitt führte zu dünneren Grundstrichen. Damit wurde der ausdrucksvolle Fett-Fein-Kontrast zugunsten der Magerkeit der Schriftzeichnung aufgegeben. Darüber hinaus führte das tiefere Einschneiden der weichen Schreibfeder zu deren größerer Elastizität. Bereits bei geringem Druck entstand ein Schwellzug. Tropfenförmige Verdickungen an den stark gebogenen Oberlängen und weitausholende dekorative Schwünge am Beginn und am Ende insbesondere der Großbuchstaben konnten durch die Einführung und Verbreitung des Kupferstichs nicht nur besser vervielfältigt werden, sondern die technischen Möglichkeiten des Stichels selbst regten zu artistischen Gestaltungen an, die dann mit der Feder nachgeahmt wurden. Solche Veränderungen kamen den Stilauffassungen des 17. Jh. entgegen und begünstigten die grundlegende Wandlung der lateinischen Kanzleischrift im Geiste des Barock. Die Führung in der Weiterentwicklung der Kursive als Schreibschrift ging nach der Mitte des 17. Jh. in die Hände französischer, spanischer und niederländischer Kalligrafen über. Dabei nahmen die virtuosen Schwünge, die sich nicht selten zu opulenten Federspielen verselbständigten, immer mehr zu.

AB8

Humanistische Kursive (Teil 5)
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Weiterentwicklung in Frankreich und England zur lateinischen Schreibschrift
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Nach der Zerstörung der Apostolischen Kammer beim Sacco di Roma 1527 zogen viele Schreiber von Rom nach Südfrankreich, wo sie die Schrift weiterentwickelten und ihr fließendere, geschwungenere Formen gaben. Um 1600 wurde daraus die Circumflessa, welche im frühen 17. Jahrhundert zur französischen Ronde weiterentwickelt wurde. Die Ronde wurde dann im 17. und 18. Jahrhundert in England zur Round hand weiterentwickelt. Diese wurde die Basis der englischen Copperplate und der daraus folgenden englischen longhand (Schreibschrift). Diese englische Schreibschrift (in Frankreich Anglaise genannt) fand im 18. und 19. Jahrhundert Ausbreitung über ganz Europa und auch nach Amerika. Sie wird im deutschen Sprachraum als lateinische Schreibschrift bezeichnet, um sie von der deutschen Kurrentschrift zu unterscheiden, welche eine ganz andere Entwicklung genommen hatte.
Schriftbeispiel der Ronde des Kalligraphen Charles Paillasson aus Diderots Encyclopédie (1751–1780)
Die Round Hand von George Bickham, aus The Universal Penman, New York ca. 1740–1741
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Moderne Weiterentwicklungen
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Die ursprüngliche humanistische Kursive mit ihrem im Vergleich zur lateinischen Schreibschrift deutlich klareren und leichter lesbaren Schriftbild lebt bis heute nicht nur in der Kalligrafie und in kursiven Drucktypen fort, sondern auch in der Handschrift. Sie bildete den Ausgangspunkt für im 20. Jahrhundert entwickelte Kursivschriften, darunter die Schulausgangsschrift Gleichstrich-Kursiv in der DDR und ihre im Kunstunterricht mit Wechselzug gelehrte Variante Schulschrift-Kursiv. In den letzten Jahrzehnten wurde die im englischsprachigen Raum als Italic script bezeichnete Schrift als leichter zu erlernende Form der Schreibschrift wiederbelebt, insbesondere in den USA. Ein Beispiel hierfür ist die 1976 entwickelte Schrift Getty-Dubay, die seither viele amerikanische Schulkinder verwenden.
Die Gleichstrich-Kursiv (Mitte) und Schulschrift-Kursiv (unten)
Alphabet der Schulschrift-Kursiv

AB9

Schulausgangsschrift 1968.png
Schulausgangsschrift (Teil 1)
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Die Schulausgangsschrift (seit 1991 „SAS“) ist eine verbundene Schreibschrift. Sie wurde 1968 vom Ministerium für Volksbildung der DDR im Rahmen eines neuen Lehrplanwerks als Erstschrift für alle Schulanfänger der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule verbindlich eingeführt.
Die vereinfachte Vorlage für das Schreibenlernen löste die Ausgangsschrift der DDR von 1958 ab. Anlass für die Veränderung waren sowohl didaktische Erfordernisse als auch ästhetische Gründe. Seit 1961 hatten Elisabeth Kaestner und Renate Tost mit der Entwicklung und Erprobung verschiedener Alphabetvarianten in Schulversuchen entsprechende Voraussetzungen für diese Maßnahme geschaffen.
In den Ländern Berlin, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland ist die SAS die verbindliche Erstschreibschrift. In Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen kann zwischen der SAS und der Vereinfachten Ausgangsschrift (VA) gewählt werden.
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Schreibschrift-Vorlage der DDR von 1958
Vorgeschichte
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Den Anstoß für Veränderungen der Ausgangsschrift gab Albert Kapr (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig). Er hatte 1957 Bekanntschaft mit Vertretern der Society for Italic Handwriting gemacht. Unter seinem Einfluss entwickelte Renate Tost 1960 zunächst ein altersunabhängiges Schönschreibheft. Zugleich bewertete sie die Schreibschrift-Vorlage von 1958 kritisch und intervenierte mit Unterstützung von Albert Kapr beim Ministerium für Volksbildung mit dem Ziel, eine Vereinfachung der Schreibvorlage herbeizuführen.
Zeitgleich zu den Bemühungen der Hochschule für Grafik und Buchkunst untersuchte die in der DDR führende Schreibdidaktikerin, Elisabeth Kaestner, tätig am Institut für Lehrerbildung „Edwin Hoernle“ in Radebeul (Ausbildungsstätte für Lehrer der Klassen 1 bis 4), die Geläufigkeitsentwicklung beim Schreibenlernen. Beide Projekte wurden ab 1961 durch Forschungsaufträge zusammengeführt. Die Zusammenarbeit von Pädagogin und Schriftgrafikerin war von einer engen fachlichen und fachdidaktischen Durchdringung des Gegenstandes geprägt. Mehrere Alphabetvarianten wurden entwickelt und erprobt.
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1958: verschnörkelte Großbuchstaben
1968: vereinfachte Großbuchstaben
Entwicklung der Schulausgangsschrift 1968
Großbuchstaben
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Die Großbuchstaben (Majuskel) in der alten Schreibschrift-Vorlage (Ausgangsschrift der DDR seit 1958 verbindlich) waren mit Schwüngen und Schleifen (Relikte der englischen Schreibschrift aus dem 18./19. Jahrhundert) versehen. Sie erschwerten nicht nur die motorische Aneignung der Figuren, sondern behinderten eine annähernd formgerechte Automatisierung der Schreibbewegungen im fortschreitenden Lernprozess. Darüber hinaus schränkten sie durch ihre detaillierten Formen die Möglichkeiten für eine ästhetisch akzeptable Individualisierung ein.
In der Schulausgangsschrift 1968 wurden die Großbuchstaben im Wesentlichen auf ihre unterscheidenden Merkmale reduziert. In einigen Fällen wurden Zugeständnisse an eine einzügige Bewegungsausführung gemacht.

AB10

1958: breite Bogen (a) und lange Deckstriche (b)
1968: dynamische Gestaltung der Kleinbuchstaben
Schulausgangsschrift (Teil 2)
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Kleinbuchstaben
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Die Kleinbuchstaben (Minuskel) der alten Schriftvorlage waren in ihrer Grundstruktur darauf abgestimmt, dass die Kinder zunächst „drucken“ sollten, d. h. die Buchstaben der Fibelschrift (in der DDR die Gill Sans) nachmalten. Diese Elemente wurden in die Vorlage für die nachfolgende Schreibschrift übernommen.
Die statisch aufgebauten Minuskeln der alten Schriftvorlage hatten breite Bogen und lange Deckstriche. Damit wurden Bewegungsmuster eingeübt, die der Entwicklung einer rhythmischen und damit ergonomischen Schreibbewegung entgegenstanden. Das führte im Verlauf der Automatisierung und Individualisierung der Bewegungen häufig zu Verformungen, die sich in ihrem infantilen Charakter teilweise bis in Erwachsenenschriften erhielten.
Die Anlage der Schulversuche war von Anfang an darauf ausgerichtet, beim Schreibenlernen sofort mit der verbundenen Schreibschrift beginnen zu können.
In der Schulausgangsschrift 1968 wurden die Kleinbuchstaben dynamischer gestaltet. Die Bewegungsumkehr in den Bogen (a) wurde verjüngt, die Deckstriche (b) verkürzt. Dadurch konnte dem Auf-ab-auf-Rhythmus in der flüssigen Bewegungsausführung besser Rechnung getragen werden.
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Buchstabenverbindungen bzw. -anschlüsse zwischen den Buchstaben
Buchstabenverbindungen
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Die Verbindungsmöglichkeiten von Buchstaben (Außenligatur) wurden nicht verändert, sondern lediglich gestrafft. Das betraf insbesondere den Formenabschluss bei den Figuren b, o, v, w und x. Bei den vereinfachten Großbuchstaben A, F und H, wurde die Verbindung von der Mittelhöhe aus vollzogen.
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Begleitende didaktische Hilfen:
Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Schulausgangsschrift wurde ein differenziertes und umfassendes Konzept der Vermittlung der verbundenen Schreibschrift ohne den Umweg über das sogenannte Drucken erarbeitet. Erstmals wurde ein systematischer Schreiblehrgang für Schüler mit drei Übungsheften für die Klassen 1 bis 2, Unterrichtshilfen für die Lehrer und eine Handreichung entwickelt.
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Schulausgangsschrift und ihre Varianten: Gleichstrich-Kursiv und Antiqua-Kursiv (Schulschrift-Kursiv)
Varianten der Schulausgangsschrift
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Nach der Umsetzung der wesentlichsten Veränderungen in der Schreibvorlage von 1968 engagierten sich die Autorinnen für eine systematisch und kontinuierlich angelegte Schreiberziehung in der Schule. 1969 wurde die Gleichstrich-Kursiv, eine Form der Weiterentwicklung der Schulausgangsschrift, als „Beschriftungsform“ in den Lehrplan Schreibunterricht Klasse 2 aufgenommen.
Die Weiterführung der Schulausgangsschrift zur Antiqua-Kursiv als Schulschrift-Kursiv im Kunstunterricht Klasse 4 und 5 erfolgte 1972/73. Da die Kursiv-Schrift in dem Fach Kunsterziehung keine Tradition hatte und die materialtechnischen Bedingungen (ungünstige Federhalter, Breitfedern und Tusche) einem Übungserfolg von vornherein im Wege standen, wurde sie 1987 aus dem Lehrplan entfernt.
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Die Schulausgangsschrift nach 1989
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Nach der Wiedervereinigung stand die Schulausgangsschrift, nun als SAS, neben den beiden Schreibschriften der alten Bundesländer, der LA (Lateinische Ausgangsschrift) und der VA (Vereinfachte Ausgangsschrift) für den Schreibunterricht in den deutschen Schulen zur Disposition. 1996 befand der Arbeitskreis Grundschule in seinen Empfehlungen zur Neugestaltung der Primarstufe „Die Zukunft beginnt in der Grundschule“ über die SAS: „Sie steht in der Tradition der europäischen Schriftkultur (,Humanistische Kursive‘) und genießt – im Gegensatz zur Vereinfachten Ausgangsschrift – auch die Anerkennung der Internationalen Typografischen Vereinigung.“ 2014 wurde die Schulausgangsschrift in Bayern zugelassen.

AB11 - AB15[editar]

AB11

Schreiben mit einem Kugelschreiber
Manuelles Schreiben (Teil 1)
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Manuelles Schreiben, fachsprachlich auch Chirografie, ist die Tätigkeit des Schreibens von Hand mit einem Schreibgerät, zum Beispiel einem Bleistift oder Kugelschreiber. Das Ergebnis wird, insbesondere bei handgeschriebenen Büchern und Briefen, ein Manuskript oder eine Handschrift genannt. Ebenfalls nennt man Handschrift die individuelle, für einen Menschen typische Schrift beim manuellen Schreiben, sowie im übertragenen Sinn etwas, das seine Arbeit charakterisiert.
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Umfang und Abgrenzungen
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Technisch gesehen hat das manuelle Schreiben viel mit dem Zeichnen gemeinsam. Es kommen die gleichen Werkzeuge als Schreib- und Zeichengeräte zum Einsatz, ebenso die gleichen Farbstoffe und Untergründe (z. B. Papier). Das manuelle Schreiben unterscheidet sich vom Zeichnen jedoch durch die Verwendung von im jeweiligen Schriftsystem vereinbarten eindeutigen Schriftzeichen.
Manuelles Schreiben gibt es in jeder Schrift. Darunter sind Alphabet-, Silben- und Wortschriften, sowie Kombinationen dieser Klassen, wie etwa die japanische Schrift oder die Stenografie. Manuelles Schreiben umfasst nicht nur die geschriebene Sprache, sondern auch Zahlen, Musiknoten und Ähnliches.
Manuelles Schreiben steht mit seiner individuellen Gestaltung jedes einzelnen Schriftzeichens im Gegensatz zum Erzeugen von vorgefertigten Glyphen mit typografischen Mitteln wie dem Druck, einer Schreibmaschine oder einem Computer.

AB12

Bandzugfeder mit Strich und Schriftbeispiel
Manuelles Schreiben (Teil 2)
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Geschichte und Schreibgeräte
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Manuelles Schreiben ist die älteste und ursprüngliche Form des Schreibens und ist in jeder Schriftkultur zu finden. Vor der Erfindung des Buchdrucks war jede Schrift von Hand geschrieben bzw. geritzt, geschnitzt oder gemeißelt.
Die Paläographie befasst sich mit den ältesten erhaltenen Schriften. Als Beschreibstoffe dienten unter anderem Ton, Holz, Baumrinde, Blätter, Stein und Metall. Die Völker des Alten Orients schrieben zum Beispiel mit einem Griffel in Tontafeln (Schrifttafeln) eingeritzte oder eingedrückte Keilschrift. Die antiken Griechen, Römer und Etrusker schrieben unter anderem mit Griffeln auf Wachstafeln, die wiederverwendbar waren: mit der spachtelartigen Rückseite des Griffels, der von den Römern Stilus genannt wurde, konnte die Schrift wieder ausgelöscht werden.
Ebenfalls aus der Antike stammt das Schreiben mit einem Pinsel aus Binsen oder einem Schreibrohr und Tinte auf Papyrus oder Pergament. Dies entwickelte sich im frühen Mittelalter weiter zum Schreiben mit einem Federkiel. Der Federkiel wiederum wurde Ende des 18. Jahrhunderts zum Vorbild für metallene Schreibfedern, aus denen sich im 19. Jahrhundert der Füllfederhalter und im 20. Jahrhundert der Patronenfüllfederhalter sowie andere auf Tinte basierende Schreibgeräte wie der Kugelschreiber oder der Filzstift entwickelten. Papier als Beschreibstoff wurde zuerst im antiken China erfunden, erreichte dann in der arabischen Welt und Indien Verbreitung und gelangte im 11. Jahrhundert nach Europa, wo es schließlich maschinell massenproduziert wurde.
Parallel dazu wurde auch bereits in der Antike mit in Rohre gegossenem Blei als Schreibgerät nach dem Prinzip eines Minenstifts geschrieben. Dies entwickelte sich weiter zum Bleistift, wobei im 16. Jahrhundert Graphit als besser geeignetes Material entdeckt wurde. Im Schulunterricht für Schreibanfänger wurde in Europa lange Zeit mit Griffeln aus Schiefer auf Schiefertafeln geschrieben. Die Schiefertafeln konnten mit einem feuchten Schwamm abgewischt und so immer wieder verwendet werden. Lehrer schrieben im Unterricht auf Schultafeln mit Tafelkreide, was eine große Schrift ermöglicht, die auf Distanz gelesen werden kann. Auch hier kann die Schrift leicht mit einem Schwamm gelöscht und die Tafel immer wieder neu beschrieben werden.
In der arabischen und hebräischen Schrift blieb das aus Schilfrohr gemachte Schreibrohr (Qalam) bis in die Neuzeit in Gebrauch. In Ostasien wurde seit der Antike vor allem mit Schreibpinseln geschrieben. Heute jedoch wird in praktisch allen Schriftkulturen im Alltagsgebrauch mit den im Westen üblichen Schreibgeräten geschrieben. Die bis ins 19. Jahrhundert üblichen traditionellen Schreibgeräte sind jedoch weiterhin wichtig in der Kalligrafie, da moderne Schreibgeräte nicht das gleiche Schriftbild erzeugen können.
Durch die Erfindung der Schreibmaschine, des Computers und der papierlosen Übertragung von Text (E-Mail, Chat, Instant Messaging) ist der Kreis der von Hand geschriebenen Schriftstücke sukzessive kleiner geworden. Heute wird Schrift zu großen Teilen digital über eine Tastatur oder Bildschirmtastatur eingeben, teils auch über Spracherkennung. Überwiegend von Hand werden nach wie vor Notizen, Post- und Glückwunschkarten geschrieben, sowie Schrift auf Tafeln, Whiteboards und Flipcharts.

AB13

Manuelles Schreiben (Teil 3)
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Schreibschrift vs. Druckbuchstaben
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In manchen Schriftkulturen hat sich eine spezielle Schreibschrift entwickelt, bei der das Schreibgerät weniger oft abgesetzt werden muss, so dass ein schnelleres, flüssigeres Schreiben möglich wird. Das Aussehen der Buchstaben kann in der Schreibschrift deutlich vom Aussehen der Druckbuchstaben abweichen, so dass die Schreiber und Leser die Schreibschrift wie ein eigenes Alphabet erlernen müssen.
Im deutschen Sprachraum wurde früher als Schreibschrift die deutsche Kurrentschrift geschrieben, sowie parallel Kurrent und die lateinische Schreibschrift. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist als Schreibschrift praktisch ausschließlich die lateinische Schreibschrift in Gebrauch. In der Praxis verwenden viele Menschen heute eine individuelle Mischform aus lateinischer Schreibschrift und Druckbuchstaben.
In manchen Ländern wie den USA wird dem Erlernen von Schreibschrift heute nur noch wenig Gewicht beigemessen. Beim Ausfüllen von Formularen werden oft Druckbuchstaben verlangt, um die Leserlichkeit zu verbessern.
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Beispiel desselben englischen Satzes von zwei Personen in ihrer jeweiligen Handschrift geschrieben (2006)
Wahl der Schreibhand und individuelle Handschrift
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Beim manuellen Schreiben wird in der Regel nur eine Hand verwendet, die das Schreibgerät führt. Die meisten Menschen bevorzugen hierfür ihre dominante Hand entsprechend ihrer Händigkeit. Früher wurden in Schulen allen Kindern das Schreiben mit der rechten Hand beigebracht, ungeachtet ihrer Händigkeit. Davon ist man in vielen Ländern inzwischend wieder abgekommen.
Die individuelle Handschrift, der Duktus (Schreibstil), kann Rückschlüsse auf den Schreiber ermöglichen. In der Graphologie wird versucht, aus der Handschrift auf Eigenheiten der schreibenden Person zu schließen. Des Weiteren kann die Individualität der Handschrift auch verwendet werden, um den Schreiber eines Schriftstücks zu identifizieren. Dies führte zur juristischen Bedeutung der Unterschrift. Die Schriftvergleichung ist eine Methode in der Forensik.
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Gesundheitsaspekte
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Manuelles Schreiben ist eine anspruchsvolle feinmotorische Tätigkeit. Bei Überlastung kann ein Schreibkrampf auftreten. Ein Tremor beim Schreiben kann als Begleitsymptom unterschiedlicher Krankheiten auftreten.
Verschiedene gesundheitliche Ursachen können zur Schwierigkeiten beim manuellen Schreiben führen, obwohl die Feinmotorik der Hand und der Intellekt noch vorhanden sind, was Dysgraphie genannt wird. Beim völligen Verlust der Schreibfähigkeit spricht man von Agrafie.
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Schönschreiben und Kalligrafie
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Beim Schulfach Schönschreiben ist das Ziel eine gute Leserlichkeit des Textes. Die Kalligrafie, die übersetzt ebenfalls „Schönschreiben“ bedeutet, ist dagegen die Gestaltung handgeschriebener Schrift mit hohem Anspruch an Ästhetik zur Verwendung in der Kunst bzw. im Grafikdesign.

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Beispiel: Tagebuch der US-Amerikanerin Anna Green Winslow, 1771
Lateinische Schreibschrift (Teil 1)
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Als lateinische Schreibschrift werden im Deutschen alle Formen der Schreibschrift bezeichnet, die das lateinische Alphabet verwenden und nicht zur deutschen Kurrentschrift gehören. Vom 17. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert, als die Schreibmaschine aufkam, war die lateinische Schreibschrift die wichtigste Korrespondenzschrift in allen westlichen Sprachen außerhalb des deutschen Sprachraums. Sie löste die deutsche Kurrentschrift ab und ist die verbreitetste Schreibschrift weltweit.
Wie jede von Hand geschriebene Schrift gibt es auch die lateinische Schreibschrift in einer Vielfalt von Formen, die sich regional und zeitlich entwickelt haben. Sie stellt also eine ganze Familie von Schreibschriften dar.
Für in anderen Alphabeten geschriebene Sprachen, etwa dem kyrillischen oder dem neugriechischen, gibt es eigene Schreibschriften.
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Humanistische Kursive (als Satzschrift)
Entstehung
Humanistische Kursive
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Schreibschriften werden allgemein auch Kursive (mittellateinisch cursivus ‚fließend, geläufig‘, im Französischen und Englischen cursive) genannt. In der Renaissance entstand in humanistischen Kreisen in Italien die humanistische Kursive. Aus dieser Urform entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert, vor allem prägend in Frankreich und England, die lateinische Schreibschrift.
Etwa zeitgleich mit dem Aufkommen des Buchdrucks mit beweglichen Lettern entwickelte sich die von Hand geschriebene und die gedruckte Schrift in zwei getrennte Richtungen: Während bis zum Aufkommen der ersten Kursive der Neuzeit die meisten Schriften unverbundene Buchstaben hatten und die Typografie dieses Merkmal aus technischen Gründen sowie der guten Lesbarkeit wegen beibehielt, wurde es zu einem charakteristischen Merkmal der nun aufkommenden Schreibschriften, die Buchstaben eines Wortes in einem fließenden Duktus zu verbinden. Ebenfalls typisch für die meisten Formen der lateinischen Schreibschrift ist die aus der humanistischen Kursive stammende Rechtsneigung der Schrift.

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Schriftbeispiel der Ronde in Diderots Encyclopédie
Lateinische Schreibschrift (Teil 2)
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Circumflessa und Ronde
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Nach der Zerstörung der Apostolischen Kammer beim Sacco di Roma 1527 zogen viele Schreiber von Rom nach Südfrankreich. Dort entwickelten sie und ihre Nachfolger die humanistische Kursive weiter und gaben ihr fließendere, geschwungenere Formen, die im Geiste des Barocks stehen. Um 1600 entstand so aus der humanistischen Kursive die Circumflessa, welche im frühen 17. Jahrhundert zur französischen Ronde weiterentwickelt wurde, die sich durch üppige Schwünge und Rundungen auszeichnet, vor allem bei den Großbuchstaben. Die französische Ronde borgte sich auch einige Formen von der mittelalterlichen, gebrochenen Rotunda. Sie ist nur sehr leicht geneigt. Prägend waren Schreibmeister wie Louis Barbedor (1630–1670).
Innerhalb der Ronde werden wiederum einige Unterformen unterschieden. In Frankreich hat sich die Ronde bis ins 20. Jahrhundert hinein gehalten, da sie im Schulunterricht als Schreibschrift gelehrt wurde. So verwendeten sie etwa die Schreiber des französischen Finanzministeriums bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, weshalb eine Unterform der Schrift écriture ronde finnancière genannt wird.
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Schriftbeispiel der Round hand, 1820
Round hand
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Die Ronde wurde im 17. und 18. Jahrhundert (Klassizismus) in England zur stärker geneigten Round hand weiterentwickelt. Dabei wurde die Schrift auch durch ein neues Schreibgerät beeinflusst. Bis zur Massenproduktion von Stahlfedern in England ab 1822 wurde in Europa vorwiegend mit Federkielen geschrieben. Durch die nun aufgekommene stählerne Spitzfeder (auch Schwellzugfeder genannt) entstand ein Schriftbild mit charakteristischem Kontrast zwischen dünnen und dicken Linien, wobei die dünnen Linien beim Aufschwung mit wenig Druck auf das Papier, und die dicken beim Abschwung mit mehr Druck entstehen. Die Spitzfeder setzte sich ab den 1830er Jahren überall in der westlichen Welt rasch als Schreibgerät durch und verdrängte den Federkiel.
Die englische Schreibschrift (in Frankreich Anglaise genannt) breitete sich im 18. und 19. Jahrhundert über ganz Europa und auch die europäischen Kolonien überall in der Welt aus, darunter auch nach Amerika. Lediglich in den deutschen Sprachraum, in dem sich auch in der Satzschrift lange Zeit die Fraktur gegenüber der Antiqua behauptete, konnte sie nur schwer eindringen, da sich dort über eine separate Entwicklungslinie eine eigene Schreibschrift etabliert hatte: Kurrent.

AB16 - AB20[editar]

AB16

Handschrift Goethes in lateinischer Schrift, 1830
Lateinische Schreibschrift (Teil 3)
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Im deutschen Sprachraum
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Im deutschen Sprachraum bestanden lange Zeit zwei Schreibschriften parallel nebeneinander: die deutsche Kurrentschrift und die lateinische Schreibschrift. Außerhalb des deutschen Sprachraums beherrschten nur Wenige die deutsche Kurrentschrift. Im deutschen Sprachraum konnten die meisten Menschen beide Schreibschriften lesen und schreiben.
Im Deutschen etablierte sich seit dem 16. Jahrhundert die typografische Konvention, im Fraktursatz Deutsches in Frakturschrift und Fremdsprachiges in Antiqua zu setzen. Analog dazu wurde in handgeschriebenen Dokumenten für Deutsches die deutsche Kurrentschrift und für Fremdsprachiges die lateinische Schreibschrift verwendet. Daneben war die lateinische Schreibschrift auch beliebt zur Hervorhebung von Überschriften und Personennamen. Man schrieb also durchaus auch deutsch in der lateinischen Schreibschrift und daher gab es in der deutschen Ausprägung dieser Schrift auch die dafür benötigten deutschen Umlaute, das lange s und das ß. Das lange s (ſ) wurde außerdem auch in anderen Sprachen wie dem Englischen, Französischen, Spanischen und Italienischen verwendet.
In der lateinischen Schreibschrift, wie sie im deutschen Sprachraum geschrieben wurde, haben sich kleinere regionale Besonderheiten ausgebildet. So haben beim schnellen Schreiben die Buchstaben n und m oft eine „Girlandenform“ ähnlich wie in der Kurrentschrift. Darum wurde es ein weitverbreiteter Brauch, einen zusätzlichen Bogen über den Buchstaben u zu zeichnen, um diesen vom n zu unterscheiden. Diese speziell deutsche Praxis fiel im 20. Jahrhundert allmählich außer Gebrauch.
Unter den Nationalsozialisten wurde 1941 die deutsche Kurrentschrift verboten und die lateinische Schreibschrift zur neuen „Deutschen Normalschrift“ erklärt. Auch nach dem Ende des NS-Regimes kam es zu keiner Wiedereinführung der Kurrentschrift. Damit fiel die Notwendigkeit weg, begrifflich zwischen der „deutschen“ und der „lateinischen“ Schrift zu unterscheiden. Während sich die gebrochenen Satzschriften bis heute noch in typografischen Nischen erhalten haben, wird die Kurrentschrift kaum irgendwo mehr verwendet. Heute können sie die meisten Menschen nicht oder nur mühsam lesen.
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In anderen Sprachräumen
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In anderen Sprachräumen entstanden eigene Variationen der lateinischen Schreibschrift. Da viele Sprachen Variationen des lateinischen Alphabets mit besonderen Buchstaben und/oder diakritischen Zeichen verwenden, finden sich diese Sonderbuchstaben und -zeichen auch in den entsprechenden Ausprägungen der lateinischen Schreibschrift.
In den USA bildete eine bestimmte Form der lateinischen Schreibschrift, Spencerian script, von etwa 1850 bis 1925 einen de-facto-Standard für die Geschäftskorrespondenz bis zur Einführung der Schreibmaschine. Diese Schrift, die Platt Rogers Spencer (1800–1864) entwickelte, basiert auf ovalen Formen und soll schnelles Schreiben mit einem eleganten Schriftbild und guter Lesbarkeit vereinen. Die Logos von Ford und Coca-Cola verwenden kalligrafische Schriftzüge basierend auf der Spencerian script.

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Lateinische Schreibschrift (Teil 4)
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Ausgangsschriften
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Seit dem 19. und insbesondere im 20. Jahrhundert entstanden pädagogische Formen der lateinischen Schreibschrift, die als Ausgangsschriften im Schulunterricht gelehrt wurden und sich prägend auf die weitere Entwicklung der lateinischen Schreibschrift in der westlichen Schriftkultur auswirkten. Die Entwicklung neuer Schreibgeräte wie der Schnurzugfeder und der Gleichzugfeder, bei der kein unterschiedlicher Druck für Auf- und Abstriche benutzt wird und auch keine Variation der Linienstärke mehr entsteht, sowie das Bemühen um eine möglichst einfache Erlernbarkeit und Lesbarkeit führte zu technisch und schulmäßig wirkenden Formen der Schreibschrift.


In anderen Sprachräumen gab es unterdessen eigene Entwicklungen. In den USA fanden Schriftpädagogen wie Austin Palmer und E. C. Mills, Spencerian script sei nicht optimal für die Anforderungen an eine Geschäftsschrift. Sie versuchten sie zu vereinfachen und mehrere Parameter zu optimieren: eine möglichst hohe Schreibgeschwindigkeit, eine möglichst gute Lesbarkeit und eine möglichst geringe Ermüdung der Schreibhand. Dafür kamen neue Schreibgeräte mit gleichbleibender Linienstärke zum Einsatz. Die um 1888 aus der Spencerian Method entwickelte Palmer Method prägte die Schreibschrift des Landes bis etwa 1950. Sie ist besonders breit und einige Großbuchstaben unterscheiden sich deutlich von den in Europa bekannten Formen der lateinischen Schreibschrift. Zum Beispiel ist das große A „einstöckig“ wie das kleine Schreibschrift-a (ɑ). 1978 wurde in den USA die Ausgangsschrift D’Nealian cursive eingeführt.
Mit heutigen Schreibgeräten ist der Geschwindigkeitsvorteil der Schreibschrift gegenüber der Druckschrift nur noch klein, weshalb viele Menschen schon als Schüler, insbesondere in den USA, zu einfacheren Handschriften mit nur wenigen Ligaturen übergehen.
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Kalligrafie des englischen Schreibmeisters George Bickham d. Ä., circa 1740–1741
Copperplate-Kalligrafie
Kalligrafische Formen
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Die lateinische Schreibschrift kommt wie jede Handschrift auch in der Kalligrafie zum künstlerischen und gestalterischen Einsatz. In der angelsächsischen Kalligrafie orientiert man sich dabei gerne an der besonders schönen Round hand von englischen Schreibmeistern bis zurück in das 16. Jahrhundert, wie sie auf alten Kupferstichen zu finden ist. Daher werden diese kalligrafischen Schriften als Dachbezeichnung Copperplate genannt.
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Typografische Formen
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Des Weiteren gibt es auch Satzschriften, die das Erscheinungsbild einer lateinischen Schreibschrift nachahmen. Sie gehören nach DIN 16518 zur Gruppe der Schreibschriften. Beispiele:
Bild 1
Bild 1: American Scribe (basierend auf älterer US-amerikanischer Schreibschrift)
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Bild 2
Bild 2: Cézanne (basierend auf der Handschrift des Malers Paul Cézanne)
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Bild 3
Bild 3: Declaration Script (basierend auf der Schreibschrift in der Verfassung der Vereinigten Staaten, 1787)
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Bild 4
Bild 4: Edwardian Script (Britisches Zeitalter Eduards VII.)
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Bild 5
Bild 5: Künstler Script, Schriftgießerei D. Stempel, 1902
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Bild 6
Bild 6: Zapfino, 1998


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Seite aus einer Schulfibel in sehr leserlicher Schrift (deutsche Kurrentschrift, 1903)
Beispiel englischer Schönschreibung aus dem 18. Jahrhundert von Bickham mit künstlerischen Initialen
Schönschreiben
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Schönschreiben bezeichnet das Schreiben von Hand, dessen Ziel die gute Leserlichkeit des Textes für die Allgemeinheit ist.
In manchen Alphabeten, insbesondere den lateinischen Alphabeten, wird bei von Hand geschriebener Schrift zwischen Schreibschrift, die überwiegend aus verbundenen Buchstaben besteht, und Schrift in Druckbuchstaben unterschieden. Insbesondere bei Schreibschrift ist die Gefahr der Unleserlichkeit groß und daher das Schönschreiben besonders wichtig.
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Geschichte
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Vor der Erfindung des Buchdrucks war jede Schrift von Hand geschrieben (bzw. geritzt, geschnitzt oder gemeißelt). Seit Beginn der Typografie betrifft das Schönschreiben nur noch jene Schriftstücke, die noch immer von Hand geschrieben werden, sowie kalligrafische Vorlagen für Druckstücke.
Schönschreiben wurde in Europa im Mittelalter und der Neuzeit zuvor von Schreibmeistern (damals: Modisten genannt) in Schönschreibschulen ausgeübt. Bekannt sind im deutschen Sprachraum z. B. Johann Neudörffer der Ältere (1497–1563), Jonathan Sauter (1549–1612), Arnold Möller (1581–1655) oder in Böhmen Jan Táborský z Klokotské Hory (1500–1572). Schreibmeister waren in der frühen Neuzeit auch Lehrer, die im öffentlichen Auftrag oder privat Schulen betrieben, an denen Schönschreiben gelehrt wurde. Teilweise wurden von ihnen auch Schreibmeisterbücher mit Anleitungen zum Schönschreiben herausgegeben.
Ausgangspunkt des Schönschreibens ist heute in der Regel eine Schulschrift. Dies kann eine Schriftgrundlage sein (Ausgangsschrift), die von einer Meisterschule vorgegeben wird oder wie im deutschsprachigen Raum von einem Land (z. B. einem Bundesland in Deutschland oder einheitlich wie in ganz Österreich). Die älteste gesamtösterreichische Schulschrift geht z. B. auf das Jahr 1775 zurück und wurde von J.I. Felbiger unter Maria Theresia veranlasst. Im Schulfach Schönschreiben wird das leserliche Schreiben unterrichtet. Um das Schönschreiben zu üben, werden bzw. wurden in eigenen Schönschreibheften Aufgaben (Schönschreibübungen), meist für jüngere Schüler, aufgegeben.
In allen Sprachen, die das lateinische Alphabet benutzen, kommt heute eine Form der lateinischen Schreibschrift zum Einsatz. Die früher übliche deutsche Kurrentschrift ist nicht mehr in Gebrauch.
Durch die Erfindung der Schreibmaschine, des Computerdrucks und der papierlosen Übertragung von Text (Internet) ist der Kreis der von Hand geschriebenen Schriftstücke kleiner geworden.
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Gegensatz
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Das Gegenteil des Schönschreibens ist das unleserliche, schlechte Schreiben, auch klieren, abwertend: krickeln, klecksen, krakeln, sudeln, schmieren (umgangssprachlich), kratzeln (Schweiz), fuzeln (Österreich) genannt. Die unleserlich schreibende Hand wird auch als „Sauklaue“ bezeichnet.
Das unleserliche Schreiben von Ärzten auf Rezepten ist in vielen Ländern der Erde bekannt und wird u. a. auch für Todesfälle verantwortlich gemacht. Teilweise wird die Unleserlichkeit generell bestimmten Berufsgruppen (z. B. Beamten) oder allgemein Akademikern unterstellt.
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Schönschreiben und Kalligrafie
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Schönschreiben und Kalligrafie wird teilweise als Synonym verwendet. Tatsächlich ist der Übergang zwischen Schönschreiben und der Kalligrafie fließend. Teilweise wurde bzw. wird z. B. einem Text selbst ein kalligrafisch besonders schöner Anfangsbuchstabe (Initial) vorangestellt. Schönschreiben unterscheidet sich von der Schönschreibkunst (Kalligrafie) daher vor allem dadurch, dass es beim Schönschreiben um die leserliche („schöne“) Darstellung des Textes geht, während die Kalligrafie aus der Alltagsschrift eine Schönschreibkunst macht. Bei der Kalligrafie ist daher die Schrift Ausdruck für die Kunst. Die Kalligrafie wird im Gegensatz zum Schönschreiben daher durchwegs nicht im Alltag eingesetzt, sondern zu speziellen Anlässen oder in bzw. bei speziellen Werken (z. B. Inschriften auf Torbögen, Bücherillustrationen etc.). Auch ist in der Kalligrafie die Leserlichkeit nicht das Wichtigste, sondern z. B. die Erzielung perfekter ästhetischer Ausgewogenheit und das Sichtbarmachen von Emotionen. Teilweise wird von den Kalligrafen die Tätigkeit als meditativ eingestuft.
Die Begriffe „Schönschreiberei“ bzw. „Schönschreiber“ werden im Zusammenhang mit
  • Schönschreiben,
  • Schönschreibkunst, aber auch
  • etwas schöner darstellen, als es ist (ähnlich den Begriffen „Schönrederei“, „Schönschwätzerei“)
verwendet.

AB19

Beispiel der deutschen Kurrentschrift: Brief Schillers (1782)
Alphabet der Kurrentschrift, um 1865 (die vorletzte Zeile zeigt die Umlaute ä, ö, ü und die entsprechenden Großbuchstaben Ae, Oe, Ue; die letzte Zeile zeigt die Ligaturen ch, ck, th, sch, sz und st)
Gotisk skrift (dänische Kurrent) um 1800 mit Æ und Ø am Ende des Alphabets
Deutsche Kurrentschrift
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Die deutsche Kurrentschrift (lateinisch currere „laufen“), auch und insbesondere im Ausland nur als Kurrent bezeichnet, ist eine Schreibschrift. Sie war etwa seit Beginn der Neuzeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (in der Schweiz bis Anfang des 20. Jahrhunderts) die allgemeine Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum. Sie wird auch deutsche Schreibschrift oder deutsche Schrift genannt. Der Begriff „deutsche Schrift“ kann sich jedoch auch auf bestimmte gebrochene Satzschriften beziehen.
Typografisch gehört die deutsche Kurrentschrift zu den gebrochenen Schriften. Sie unterscheidet sich durch spitze Winkel („Spitzschrift“) von der runden, „lateinischen“ Schrift – wenngleich aber auch die Kurrent viele Rundungen aufweist. Mit geringen Abwandlungen wurde sie auch in Skandinavien – in Dänemark und Norwegen als „Gotisk skrift“ bezeichnet – bis 1875 verwendet.
Die deutsche Kurrentschrift wurde typischerweise ursprünglich mit einem Federkiel, später dann auch mit einer Bandzugfeder geschrieben, was zu richtungsabhängigen Änderungen der Strichstärke führte. Seit dem 19. Jahrhundert wurde sie auch mit einer Spitzfeder geschrieben, was an- und abschwellende Linien erzeugte.
Eine im 20. Jahrhundert als Ausgangsschrift für den Schulunterricht in Deutschland eingeführte Variante der deutschen Kurrentschrift ist die Sütterlinschrift, die zum Schreiben mit der Gleichzugfeder mit einer gleichmäßigen Strichstärke entwickelt wurde.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird die deutsche Kurrentschrift (einschließlich ihrer Sütterlinschrift-Variante) kaum noch verwendet. Historiker und Wissenschaftler anderer Disziplinen sowie genealogisch Interessierte müssen sie kennen, um in deutscher Kurrentschrift verfasste Dokumente lesen zu können.
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Geschichte
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Entwicklung:
Die deutsche Kurrentschrift entwickelte sich im frühen 16. Jahrhundert aus der Bastarda.[1] Sie etablierte sich als die übliche Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum. Insbesondere in Österreich etablierte sich Kurrent auch als Amts- und Protokollschrift. In der Schweiz war Kurrent bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als Verkehrs-, Amts- und Protokollschrift gebräuchlich.
Außer im deutschsprachigen Raum etablierte sich die Kurrentschrift auch in anderen nichtromanischen Sprachräumen, etwa im Dänischen, Norwegischen oder Tschechischen.
Kurrent wurde hauptsächlich nur für Texte in der jeweiligen eigenen Sprache, also im deutschsprachigen Raum für deutsche Texte, verwendet. Analog zur parallelen Verwendung von Antiqua und Fraktur in der gedruckten Schrift verwendete man im deutschen Sprachraum in handgeschriebenen Texten für bestimmte Einsatzgebiete, wie etwa Überschriften, Eigennamen, Fremdsprachen oder für die Briefkorrespondenz mit Ausländern, parallel zur deutschen Kurrentschrift die lateinische Schreibschrift. Gebildete Schreiber beherrschten und verwendeten also zwei verschiedene Schreibschriften.
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Bild 1: Schriftbeispiel - Städtisches Kinderheim
Bild 2: Schriftbeispiel - »Klassenarbeit. 1. 12. 1910. Die Bedeutung des Pfarrers für den Gang der Handlung in „Hermann und Dorothea.“ Prädikat: Gut.«
Im 20. Jahrhundert:
Ab 1911 wurde in Preußen eine Veränderung und Normierung der deutschen Kurrentschrift durch den Grafiker Ludwig Sütterlin eingeleitet. Er entwickelte 1911 zwei Ausgangsschriften für den Schulgebrauch, eine deutsche und eine lateinische Schreibschrift. Die Sütterlinschrift wurde in Deutschland forciert eingeführt, da sie graphisch einfacher zu formen ist als die bis dahin übliche Variante der deutschen Kurrentschrift. In Folge kam der Begriff Kurrent in Deutschland außer Gebrauch. Die Sütterlinschrift zog zwischen 1915 und der Zeit des Dritten Reichs nach und nach in Deutschlands Schulen ein, nicht jedoch in Österreichs Schulen; dort schrieb man weiterhin in der traditionellen Kurrentschrift.
1941 kam es durch den Normalschrifterlass dazu, dass im sogenannten Großdeutschen Reich die gebrochenen und deutschen Schriften zugunsten der lateinischen Schrift abgeschafft wurden, die nun als „deutsche Normalschrift“ bezeichnet wurde. Durch Martin Bormanns Erlass vom 3. Januar 1941 wurden zunächst nur die gebrochenen Druckschriften verboten. Mit einem zweiten Rundschreiben vom 1. September 1941 wurde auch die Verwendung der deutschen Schreibschriften untersagt. Als Schreibschrift-Version der „deutschen Normalschrift“ kam eine Form der lateinischen Schreibschrift zum Einsatz, die auf Sütterlins lateinisches Alphabet zurückgeht. Seit Beginn des Schuljahres 1941/42 durfte an den deutschen Schulen nur noch die „deutsche Normalschrift“ verwendet und gelehrt werden.
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Merkmale
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Die deutsche Kurrentschrift ist rechtsschräg und hat Schleifen an den Oberlängen. Die Schäfte der Buchstaben f und ſ sind wie bei den älteren Kanzleibastarden nach unten verlängert. Zahlreiche Buchstaben sind in einem einzigen Federzug geschrieben. Die Buchstaben h und z haben durchgezogene Schleifen an den Unterbögen. Das e hat eine eigene, charakteristische Form, die an das n erinnert. Aus dieser Form des e sind historisch die Umlaut-Punkte im deutschen Alphabet entstanden.
Da die Buchstaben n und u ansonsten gleich aussehen, wird zur Unterscheidung über das u ein Bogen gezeichnet. Ein gerader Strich über einem n oder m ist ein Reduplikationsstrich, der die Verdoppelung des Konsonanten anzeigt.

AB20

Deutsche Schreibschrift
Deutsche Schrift
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Die Bezeichnung deutsche Schrift wird entweder als Sammelbegriff für einige gebrochene Schriften verwendet, mit denen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert deutsche Texte bevorzugt geschrieben und gedruckt wurden, oder dient als Name einer dieser Schriften. In Bezug auf Schreibschrift wird auch die Bezeichnung deutsche Schreibschrift, je nach Zusammenhang sowohl als Sammelbegriff als auch als Einzelname verwendet.
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Schriftarten:
Um ihre offizielle Verwendung in deutschen Behörden und Schullehrplänen wurde ein jahrzehntelanger Antiqua-Fraktur-Streit geführt, in dem die Antiqua (auch eingedeutscht Altschrift) die gewohnte deutsche Schrift (unter anderem die häufig gedruckte Fraktur) schließlich durch den Normalschrifterlass im Dritten Reich ablöste. Um deutlich zu machen, dass die Schriftformen nicht ausschließlich in Deutschland in Gebrauch waren, wurde in der paläografischen Diskussion auch der Begriff neugotische Schrift vorgeschlagen. Alltagssprachlich werden manche dieser Schriftarten heute auch als alte deutsche Schrift oder altdeutsche Schrift bezeichnet.
Mit deutscher Schrift sind je nach Zusammenhang meist eine oder mehrere dieser Schriftarten gemeint:
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Druckschriften:
  • Schwabacher − Im 15. und frühen 16. Jahrhundert die vorherrschende Druckschrift im deutschsprachigen Raum.
  • Fraktur − Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum. Sie war mehrmals offizielle Amtsschrift für Drucksachen im Deutschen Reich.
  • Weitere gebrochene Schriften.
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Schreibschriften:
  • Deutsche Kanzleischrift − bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich für amtliche Schriftstücke
  • Deutsche Kurrentschrift − Verkehrsschrift im 18. und 19. Jahrhundert
  • Deutsche Schreibschrift – Anfang des 20. Jahrhunderts als Schulschrift eingeführt
  • Sütterlinschrift − Schulausgangsschrift ab 1928
  • Deutsche Verkehrsschrift oder Deutsche Volksschrift − Variante der Sütterlinschrift als Schulausgangsschrift von 1935 bis 1941
  • Deutsche Normalschrift − Weiterentwicklung der Sütterlinschrift als Schulausgangsschrift von 1941 bis 1953
  • Offenbacher Schrift − wurde nach 1945 an einigen deutschen Schulen als zweite Schreibschrift gelehrt.
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Runen – Germanische Schriftzeichen; nachweisbar für das 2. bis 12. Jahrhundert, sind keine deutschen Schriften

Weblinks[editar]

Beispiel eines Feldpostbriefes in Sütterlin aus der Museumsstiftung in Berlin - dort kann man über 3.000 Feldpostbriefe online lesen - wenn man Sütterlin kann. Die Briefe sind aber auch alle nochmal abgetippt zu lesen.

Aber auch ältere Briefsammlungen von Feldpostbriefen stehen zur Verfügung: aus dem 1. Weltkrieg (1914-1918) und noch ältere (Feldpost 18./19. Jahrhundert): Koalitionskriege (1792 - 1815), Befreiungskriege (1813-1815), Deutsch-Dänischer Krieg (1864), Deutsch-Französischer Krieg (1870 - 1871), Andere Kreige (19. Jahrhundert).

Hier ein Beispiel eines Briefes vom 5.12.1870 - dazu der abgetippteText - Die Schrift ist klassische Currentschrift, also etwas älter als Sütterlin. Aber wer Sütterlin kann, kann das fast problemlos lesen. Current ist mit mehr Schnörkeln, sehr stark geneigt und mit großen Oberlängen und Unterlängen. Und einige Großbuchstaben beginnen statt mit einem Rundbogen mit einer kleinen Fahne. (Dazu in der nächsten Lektion mehr.)


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