Curso de alemán nivel medio con audio/Lección 055c

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Das Cover des Buches
Quelle für den Text der Lektionen 051c bis 063c Lektionen ist das Buch
Alles über Wikipedia und die Menschen hinter der größten Enzyklopädie der Welt
Das Buch erschien unter einer freien Lizenz (Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported, CC-by-sa).
fuente: Allesueberwikipedia.pdf - CC-BY-SA Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported, CC-by-sa - CC-BY-SA
Inhalt
Inhalt
VORWORT 9
EINLEITUNG 11
DIE ENTSTEHUNG DER DEUTSCHEN WIKIPEDIA 15
Von Nupedia zu Wikipedia:Wie alles anfing ... 15
Odyssee ins Jahr 2001: Die Anfänge der deutschen Wikipedia 23
Ein Blick zurück von der anderen Seite der Diskette 31
Zehn Jahre Wikipedia: Meilensteine 35
Der millionste Artikel für die deutsche Wikipedia 41
Wikipedia: Eine kritische Sicht 43
DIE WIKIPEDIA-ARBEIT 47
Grundkenntnisse 47
Was braucht ein »guter« Artikel? 59
Ein Begrüßungslöschantrag 63
Von der IP zum Bürokraten: die »Karriere« eines Wikipedianers 64
Da kann ja jeder reinschmieren! 67
Wo erhalten Benutzer Hilfe und Unterstützung? 71
WIE GUTE ARTIKEL ENTSTEHEN 81
Die Qualität von Wikipedia: Anspruch und Wirklichkeit 81
Geständnis eines Kleinvandalen 100
Die Zebrarennschnecke:Vom Kindermund zum enzyklopädischen Artikel 101
Wer rastet, der rostet 104
Listen über Listen 105
Nicht zu benutzen 107
Wikipedia organisiert 108
Schon gewusst? - oder: Wie kommt man flott auf die Hauptseite? 115
Masse mit Klasse 118
Die Todesopfer an der Berliner Mauer 121
MOTIVATION: FREIWILLIG FÜR FREIES WISSEN 125
Unverhofftes Wiedersehen 125
Von Metzgern und Schlachtern - oder: Wenn's sonst keiner macht ... 127
Wikipedia-Mitarbeit hält die Festplatte am Drehen 130
Der Traum von einer eigenen Enzyklopädie 131
»Wikipedia and I« 133
Wikipedia - der erste Schuss ist gratis 138
Damenfang 140
Wikipedia: Ein persönlich gefärbter (was sonst?) Erfahrungsbericht 141
Warum ich immer noch mitspiele 144
Der Büchermessie 147
Wikipedia-Momente 149
KOMMUNIKATIONSKULTUR 151
Möglichkeiten und Grenzen demokratischer Strukturen in derWikipedia 151
Wissen ist Macht 162
Exklusionisten gegen Inklusionisten ein enzyklopädischer Bruderkrieg 164
Exklusionismus: In den Maschinenräumen von Wikipedia 173
Inklusionismus: Mehr Toleranz! 178
Mit 80 + dabei 182
DIE DUNKLE SEITE DER WIKIPEDIA 187
Am Anfang war der Streit 187
Kaffeeservice und Bügelbrett: Von der Wikipedia ohne Umweg in die Köpfe 210
Aus der Löschhölle an die Wand 214
Von der »Hassenstein-Debatte« zu allerlei Erfreulichem 216
Trollosophie 222
DIE WISSENSCHAFT ZU WIKIPEDIA 225
Wikipedistik 225
Wikipedia als Forschungsobjekt 241
Die Wikipedia als Werkzeug für individuelle und kooperative Lernprozesse 243
Verborgenes Wissen in Wikipedia 246
Die Enzyklopädie und der Elfenbeinturm - wie Wikipedia und Wissenschaft zueinander finden können 247
»Sag bloß keinem, dass du da mitmachst!« 266
Durch Kooperation zum Erfolg: Die Johann-Heinrich-ZedlerMedaille 268
Wikipedia und Wissenschaft aus der Sicht der Akademieforschung 269
Einstieg mit Hürden 273
Wikipedia als Lebensweise 274
Wikipedia und Speziallexika im Wettstreit 276
DIE TECHNIK HINTER WIKIPEDIA 283
MediaWiki - oder: Das Web 0,0 283
Hardware: Betrieb der Wikipedia 295
Das Werden und Wachsen der Helferlein: Bots, Skripte und Werkzeuge 300
AUSBLICK: WIKIPEDIA 2021 311
ANHANG 327
Glossar: Wikipedia-Jargon für Anfänger 327
Die Autoren 333
Creative Commons License 344



MC201 - MC210[editar]

MC201

Sechs Jahre später, im Jubiläumsjahr der Wikipedia, ist der Artikel »ordentlich« gegliedert und kategorisiert, inhaltlich und stilistisch überarbeitet, erweitert, mit seiner wohlverdienten »Taxobox« versehen, mit Einzelnachweisen, Weblinks, Interwikilinks und einem Bild ausgestattet. Kurz: er hat das volle Bearbeitungsprogramm durchlaufen. Kaum ein Buchstabe blieb auf dem anderen, und von Klaudias Ursprungstext ist lediglich die braun-schwarze Streifung noch da. Dabei hat sein Umfang von ursprünglich 750 Bytes auf nunmehr 2800 Bytes bei weitem nicht so signifikant zugenommen wie bei vielen anderen Wikipedia-Artikeln. Für das heutige Meisterwerk der Wikipedia erfolgten seit Klaudias Urfassung lediglich rund 40 Bearbeitungen, das ist in diesem langen Zeitraum vergleichsweise sehr wenig.
Die Bearbeitungen fielen uns schwer. Benutzer:Arcimboldo erstellte zwölf Minuten nach der Artikelanlage einen Überarbeiten-Baustein mit dem Hinweis »Momentan nicht sehr enzyklopädisch, der Artikel« - das dürfte im Vergleich zur heutigen Zeit, in der Klaudias Text kaum die »Löschhölle« überstanden hätte, ein sehr netter Kommentar gewesen sein. Der nächste Bearbeiter schrieb in der Kommentarzeile: »ich bring's nicht übers Herz, hier etwas zu korrigieren«. Vorsichtig nahm sich dann Achim Raschka der Sache an und formulierte einige Erkenntnisse Klaudias um: »Bei Helligkeit sind die Rennschnecken entgegen ihrem Namen eher langsame Schnecken, die bei Dunkelheit allerdings deutlich schneller sind« - auch diese bedeutende Beobachtung wurde trotz aller fachmännischen Formulierungskünste später komplett gestrichen.



MC202

Vokabeln:


MC203

Auf der Artikeldiskussionsseite entschuldigten wir uns quasi bei Klaudia für die leider unerlässlichen Bearbeitungen: »Der Artikel ist süß geschrieben. Da hat sich jemand, der bestimmt noch sehr jung ist, wirklich Mühe gegeben.« Oder: »Wirklich süß. Da bin ich froh, keinen Löschantrag gestellt zu haben.« Auf ihrer Benutzer-Diskussionsseite bekam Klaudia das wohlverdiente Lob: »Moin Klaudia, herzlich willkommen hier:-) Danke für Deinen Artikel zur Zebrarennschnecke. Guck' Dir mal an, wie er jetzt geworden ist. Hättest Du nicht angefangen, wäre vielleicht nie ein Artikel über dieses Tier geschrieben worden.« 
Was ist aus Klaudia und ihrem guten Algenfresser geworden? Wir wissen es nicht, die Artikelanlage blieb trotz all unserer Motivationsbemühungen ihre einzige Wikipedia-Bearbeitung jedenfalls unter dem Namen »Klaudia«. Vielleicht studiert sie inzwischen Biologie mit dem Schwerpunkt Weichtiere und legt unter anderem Namen oder als IP einen Schneckenartikel nach dem anderen an. Schließlich gibt es allein in der Unterfamilie Neritininae Poey zurzeit noch rund fünfzehn rote Links, also noch nicht angelegte Artikel. Sicher ist nur: Klaudias Rennschnecke rennt nicht mehr. Jedenfalls dann nicht, wenn Klaudias Hinweis stimmt, dass Rennschnecken bis zwei Jahre alt werden - ein Hinweis, den ich in der heutigen Artikelfassung nicht mehr gefunden habe. Ebenso wenig klären der Artikel zur Familie Neritidae und selbst der übergreifende Schneckenartikel darüber auf, wie lange so ein Weichtier lebt. Klaudia, bitte melden. Hier ist noch viel zu tun!



MC204

Vokabeln:


MC205

Wer rastet, der rostet
VON HANS CHRISTIAN RIEDELBAUCH
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Im Jahr 2006 las ich etwas über das neue »Internetlexikon« und war sofort daran interessiert, dessen in den ersten Jahren von vielen bezweifelte Qualität durch »Nachschlagen« von Begriffen aus meinem Fachgebiet zu prüfen.
»Hüttenrauch« war der erste Prüfstein, und das Ergebnis gefiel mir ganz und gar nicht. Also frisch drauflos verbessert sachlich korrekt, aber nicht mit den Regeln der Wikipedia konform. Es endete wohl mit einem Kompromiss. Bei einigen weiteren Dingen, wo ich glaubte, es besser zu wissen, weil ich »Zeitzeuge« war, gab es auch schon mal Ärger. Ich musste erkennen, dass manche Menschen Wikipedia als Bühne der Selbstdarstellung verstehen, Einwände der Alten generell als »Gesabbel« abtun und auch vor groben Worten nicht zurückschrecken. Eigentlich war ich schon wieder am Aussteigen, als mir Hilfe zuteil wurde und mich mit gutem Rat zum Weitermachen ermunterte. Meine Mitarbeit ist bis heute recht erfolgreich verlaufen, und die Zahl meiner Bearbeitungen nähert sich der 5000. Vieles davon betraf und betrifft bislang nicht genug beachtete Gebiete der Metallurgie - das Gießereiwesen einschließend -, und hier sei besonders manches freundlichen Helfers bei der Bildeinbindung dankend gedacht.
Bis heute ist Wikipedia für mich vergleichbar mit dem täglichen Blick in die Zeitung. Aber im Zweifel ist hier in vielen Bereichen mehr zu finden als selbst in der FAZ, denn wir Wikipedianer sind nicht durch Seitenvorgaben begrenzt. Dank der Aktivitäten der Gemeinschaft ist heute fast auf jede Frage eine Antwort zu finden - nicht immer das Optimum, aber wer das so sieht, kann, darf und soll mitarbeiten, damit Wikipedia noch besser wird.


MC206

Vokabeln:


MC207

Listen über Listen
VON DENIS BARTHEL
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Ich bin seit 2003 in der Wikipedia aktiv - und die meiste Zeit davon habe ich im Portal »Lebewesen« verbracht. Ein Portal ist in der Wikipedia eine Art virtueller Treffpunkt, wo jene, die sich für ein spezielles Thema interessieren, miteinander diskutieren, sich beraten und Probleme lösen. Mittlerweile heißt das Portal »Redaktion:Biologie«, erfüllt aber noch immer die gleiche Funktion.
In meiner ganzen Zeit in der Wikipedia hat mich nichts so sehr beeindruckt wie die enorme Hingabe, mit der die Autoren dieses Portals sich über Jahre hinweg der Aufgabe widmeten, sämtliche Artikel aus Qualitätsansprüchen heraus zu überarbeiten.
2005 erstellte einer der Mitarbeiter des Portals, Aka, erstmals Listen, wo alle Lebewesen-Artikel nicht nur gezählt und nach Zugehörigkeit regelrecht inventarisiert wurden, sondern auch alle Artikel verzeichnet waren, »welche nicht mehr als 3 vollständige Sätze« enthielten. Am 21. September dieses Jahres, erfuhren wir, gab es 8082 Artikel über Lebewesen, und 439 davon waren so kurz, dass sie einer Enzyklopädie kaum gerecht werden konnten. Ein Jahr später kam eine Liste aller Artikel ohne Literaturangaben hinzu. Dieser Anspruch war damals noch recht neu, und die meisten alten Artikel waren »freihändig« verfasst worden, aber das Portal »Lebewesen« empfand sich als Vorreiter einer strengeren Belegpflicht. Die Zählung war ein Schock: Es gab zwar mittlerweile 14 655 Artikel, aber davon waren 4457 ohne jede Literaturangabe - fast ein Drittel.




MC208

Vokabeln:


MC209

So begann eine einzigartige, mehrere Jahre dauernde Revision des Altbestandes durch das Portal: Nach und nach wurden alle mangelhaften Artikel gesichtet, die inhaltlich guten nachträglich mit Quellenangaben versehen, die schlechten völlig überarbeitet oder schlimmstenfalls gelöscht. Und obwohl immer wieder neue Artikel mit Mängeln dazukamen, trugen die Bemühungen Früchte. Im Gegenzug stellte Aka seine Listen immer feiner ein, neue Listen wurden von ihm und von anderen entworfen, auf denen sie immer präziser die Problembereiche erfassten.
Rund sechs Jahre läuft diese Aktion nun. Tausende von Artikeln wurden seither überarbeitet, Autoren wie Kulac, Muscari, Haplochromis, Tigerente, IKAl, Griensteidl, Accipiter, Carstor, Achim Raschka, Ixitixel und viele andere widmeten sich diesen Listen, die Aka unermüdlich weiter aktualisiert. 17 solcher Listen existieren heute, dazu eine händisch gepflegte Seite (»Qualitätssicherung«) für Mängel, die sich maschinell nicht erfassen lassen. Und einige der Listen sind inzwischen bereits abgearbeitet worden.
Inzwischen gibt es über 30 000 Artikel über Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen in der deutschsprachigen Wikipedia, aber nur noch 465 davon sind ohne Literaturangaben, und lediglich 19 sind kürzer als sechs Sätze. Somit könnte das Jubiläumsjahr der Wikipedia zugleich das Jahr sein, in dem es keinen quellenlosen Artikel über Lebewesen mehr gibt - ein wichtiger Meilenstein.
Fertig aber ist man damit natürlich nicht. Es gibt da nämlich noch diese Liste der vollständig sequenzierten Eukaryonten ohne Artikel und die der langen Artikel mit mindestens 10 000 Zeichen und der Artikel mit abweichenden deutschen Rangnamen und der Artikel, die keine Bilder enthalten, und der Artikel mit einem Kladogramm, welches noch nicht die neue Vorlage verwendet usw.



MC210

Vokabeln:


MC211 - MC220[editar]

MC211

Nicht zu benutzen
VON THOMAS WOZNIAK, NACH AUTHENTISCHEN DIALOGEN
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Was machst du da schon wieder bei Wikipedia? Kopfschüttelnd beschwert sie sich, wie ernsthaft er dasitze, als würde er an seinem Manuskript arbeiten. Schnell und schuldbewusst - sie hat schließlich recht - klickt er das Fenster runter in die Startleiste und schweigt. Er habe doch wahrlich genug anderes zu schreiben, da müsse er doch nicht schon wieder irgendwas in irgendeinem Artikel verbessern! :Ob sie nie bei Wikipedia nachschaue, will er wissen. Eigentlich nie, behauptet sie, an der Uni sei ihr eingetrichtert worden, dass Wikipedia nicht zitiert werden kann, deshalb benutze sie es so gut wie nie. Bestimmt habe sie es schon mal heimlich genutzt, behauptet er. Im Grunde nicht, erwidert sie, allerhöchstens einmal für eine ganz schnelle Information im Privaten, da habe einfaches Stichwortwissen genügt, aber niemals für den Job. Sie habe immer das Gefühl, sie könne sich nicht drauf verlassen, kritisiert sie, das sei alles nur Halbwissen. So etwas würde ihre Chefin nie akzeptieren.
Wenn alles so schlimm sei, will er daraufhin wissen, warum korrigiere sie dann nicht die falschen Artikel, nur so könne es doch besser werden. Sie antwortet, sie müsse schon so viel schreiben und korrigieren - das sei Aufgabe der hauptamtlichen Mitarbeiter. Er weist darauf hin, dass es keine bezahlten Mitarbeiter gebe und jeder mitarbeiten könne, selbst unangemeldet. Das wisse sie und will trotzdem nicht mitarbeiten. Hoffnungslos, denkt er, schüttelt den Kopf und geht wieder an seine Arbeit.




MC212

Vokabeln:


MC213

Einige Tage später beschwert sie sich, da seien Fehler in der spanischsprachigen Wikipedia. Einmal breche ein Satz einfach so ab, das gehe doch wirklich nicht. Dabei zeigt sie auf ein Blatt voller Artikel, das ihren Briefkopf trägt, und will wissen, warum das niemand korrigiert habe. Er schaut kurz drauf und murmelt, zum Glück gebe es Copy-and-Paste; und dafür, dass sie Wikipedia nie benutze, sei das ein ziemlich großer Stapel an ausgedruckten Artikeln. Das sei die absolute Ausnahme, rechtfertigt sie sich. Als er wissen will, wo sie Wikipedia als Quelle angegeben habe, zieht sie ihm genervt die Seite aus der Hand. Sie brauche keine Quelle anzugeben, faucht sie, weil sie mittlerweile so viele Fehler verbessert habe, dass es im Grunde fast ihre Texte geworden seien. Ob sie die Fehler jetzt nur in ihren kopierten Texten korrigiert habe oder wenigstens gleich in den Artikeln, will er wissen. Als sei es das Logischste auf der Welt, antwortet sie, natürlich nur in ihren Texten, Wikipedia zu verbessern sei schließlich nicht ihre Aufgabe. Er wendet ein, dass Wikipedia so nicht besser werde. Darauf könne sie jetzt keine Rücksicht nehmen, denn ihre Chefin brauche die Informationen bis morgen.
Darauf antwortet er, den spanischen Autor habe vermutlich seine Freundin beim Schreiben unterbrochen, wahrscheinlich mit dem Hinweis, dass Wikipedia für den Job nicht benutzt werden dürfe, weil es so voller Fehler sei.




MC214

Vokabeln:


MC215

Wikipedia organisiert
VON BENUTZER:SINGSANGSUNG
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Ordnung ist alles. Wer nicht ordnet, versinkt über kurz oder lang im Chaos. Nirgendwo gilt dieser Grundsatz so stark wie in der Wikipedia, wo jeden Tag zig Autoren herumwuseln, bearbeiten, Artikel erstellen und ein solcher Verkehr aufkommt, dass ohne irgendeine Ordnung ein Zusammenhalten der Wikipedia in ihrem Innersten gar nicht möglich wäre. Das ist einer der Gründe, warum es so viele Projektseiten mit unzähligen Vorschriften und Regelungen gibt. Organisation ist aber auch dann sehr wichtig, wenn es um Artikel und die Artikelarbeit geht. Ich will mich in diesem Kapitel vor allem mit den drei Institutionsgruppen Portale, Redaktionen und Projekte befassen, an die sich Mitarbeiter und Leser gleichermaßen wenden können.


MC216

Vokabeln:


MC217

Portale
Nicht nur die Mitarbeiter müssen daran gehindert werden, im Chaos zu versinken, auch - und besonders - der Leser soll in der Wikipedia schlauer werden und nicht verwirrter. Dazu haben sich die Portale als Leuchttürme im Artikelmeer etabliert. Diese Portale haben in erster Linie die Aufgabe, einen größeren Themenkomplex systematisch zu erschließen, also quasi eine Artikelübersicht über ein bestimmtes Thema zu bieten und es nach bestimmten Gesichtspunkten aufzuschlüsseln. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, einen Themenbrocken zu zerbröseln: Bei Länderportalen erfolgt oft eine Aufteilung nach Geographie, Natur, Politik und Verwaltung, Geschichte, Wirtschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft und vielem mehr, je nachdem, welche Besonderheiten ein Land bietet. Bei großen Wissenschaftsblöcken wie der Biologie oder der Physik werden beispielsweise die Artikel zu und von untergeordneten Fachgebieten aufgelistet oder wichtige Grundlagen und Vertreter des Fachs festgehalten.
Portale listen aber nicht nur Artikel auf, sondern bieten auch noch gesonderte Artikelpräsentationen. Viele Portale haben einen Artikel und ein Bild des Monats, manchmal auch der Woche, wenn der Themenkomplex groß genug ist. Als »exzellent« oder »lesenswert« ausgezeichnete Artikel aus dem Gebiet werden häufig der Leserschaft präsentiert. Artikelwünsche werden meist ebenso angezeigt wie die neuen Artikel. Woanders findet man auch Kästen, die den Leser fragen, ob sie etwas »schon gewusst« haben. Oft gibt es einen Bereich, der schlechte und verbesserungswürdige Artikel mittels verschiedener Indikatoren wie zum Beispiel mangelnde Neutralität, allgemeiner Überarbeitungsbedarf, Allgemeinverständlichkeitsprobleme oder Lückenhaftigkeit sammelt.



MC218

Vokabeln:


MC219

Auch beherbergen diverse Portale eine fachspezifische Qualitätssicherung, in denen Artikel, die noch unter Mängeln leiden, entsprechend aufgepeppelt werden. Dies geschieht entweder, weil sie in der allgemeinen Qualitätssicherung nicht abgearbeitet werden konnten, oder weil schon lange bestehende Artikel gewartet werden müssen und dazu gleich an die Profis auf dem Feld übergeben werden. Solche Einrichtungen besitzen - je nachdem, wie das im jeweiligen Themengebiet geregelt ist auch Redaktionen und Projekte. Gibt es in einem Themenbereich keine entsprechende Qualitätssicherung, so kann im Artikel auch ein Portal- bzw. ein Projekthinweis, also ein Baustein, gesetzt werden, der auf die Diskussionsseite des Portals bzw. des Projekts verweist. Anschließend wird dort über die Verbesserung eines Artikels geredet.
Seit 2003/2004 gibt es nun schon über 520 Portale, und die Zahl ist steigend, da noch längst nicht alle Themen untergebracht sind. Allerdings ist der Zuwachs schleichend, denn die festgesetzten Merkmale für automatische Relevanz erfüllen inzwischen nur noch die wenigsten Portalideen. Über den Rest wird auf der »Baustelle« eine Relevanzdiskussion geführt, für die dann drei Betreuer und eine Mehrheit von zehn Befürwortern benötigt werden. Nichtsdestotrotz kann man sich schon jetzt auf immer neue Portale freuen. Wer den Vorgang allerdings beschleunigen möchte, sollte die Baustelle des Projekts »Portale« aufsuchen.



MC220

Vokabeln:


MC221 - MC230[editar]

MC221

Redaktionen
Aber in puncto Organisation ist dies längst noch nicht alles, denn fernab des »Artikelnamensraums« gibt es virtuelle Zimmer, in denen sich Autoren eines Fachgebiets treffen können. In diesen Zimmern hängt eine Pinnwand, und sobald sich eine kleine Menschentraube gefunden hat, die sich für eine daran angebrachte Notiz interessiert, beginnen Leute zu diskutieren. So in etwa kann man sich die Redaktionen vom Prinzip her vorstellen. Man darf den Namen »Redaktion« dabei nicht allzu eng sehen. Sie verstehen sich mehr als Plattformen, auf denen aufmerksame Leser, aber auch fleißige Wikipedianer Platz finden, um für ihre Projekte zu werben, Merkwürdiges in Artikeln eines größeren Fachgebiets zu melden, allgemeine Hinweise zu hinterlassen oder wichtige Entscheidungen auf einem Themenfeld durchzudiskutieren. Seit 2006 gibt es also ein Notizbrett, das noch über sämtlichen Portalen und Projekten steht.
Doch damit nicht genug. Einige der Redaktionen benutzen nicht nur die Wikipedia-Infrastruktur, um Probleme zu lösen und Themen zu diskutieren. Nein, sie besitzen außerdem noch einen IRC-Chat, an dem jedes Redaktionsmitglied in Echtzeit mit den anderen Mitgliedern Anstehendes bereden kann. Zu diesem Zweck gibt es regelrechte Redaktionskonferenzen, die zu einem bestimmten regelmäßigen Termin in der Woche oder im Monat stattfinden. In Sonderfällen, wie der Redaktion Bilder, gibt es Chats, in denen sich die meiste Zeit jemand befindet, der konkrete Fragen zum Thema beantworten kann.




MC222

Vokabeln:


MC223

Themen, die auf Redaktionen diskutiert werden können, sind zum Beispiel (Realbeispiele): Gibt es Hilfsmittel, um in Artikeln Noten zu schreiben? (Musik), Geographische Kategorisierung von Lebewesen (Biologie), Wie seriös ist die Quelle XY?, Kann bitte noch mal jemand über meinen Artikel drüberschauen?, War Alexander I. Kaiser oder Zar? (Geschichte) ... Des Weiteren können hier Einladungen zu Wettbewerben landen, Ankündigungen von Projekten und Aktionen. Manchmal gibt es auf Diskussionsseiten kontroverse Diskussionen oder Gespräche, bei denen noch um Fachmeinungen oder eine größere Beteiligung gebeten wird, da die Lösung des Problems von größerer Wichtigkeit auf dem Themengebiet ist. Ebenfalls können Löschanträge gemeldet werden, bei denen noch konkretes Fachwissen benötigt wird. Man kann also sagen, hier kann fast alles hingeschrieben werden, was für das Themengebiet irgendwie von Belang ist.



MC224

Vokabeln:


MC225

Projekte
Schließlich gibt es noch die WikiProjekte. Diese übernehmen die eigentliche Verwaltung über kleinere Bereiche aus organisatorischer Sicht und dem Blickwinkel der Autoren. Hier geht es um die konkrete Verbesserung und Pflege von Artikeln, Arbeiten im Kategorien- oder Vorlagensystem, einheitliche Gestaltung oder Formatierung von Artikeln, koordinierte Erstellung von Beiträgen, Kontrolle und Überprüfung von neuen Artikeln und allgemeine Koordination von sonstigen Aufgaben im Themenbereich.
Für diese Punkte gibt es etliche Möglichkeiten zur Umsetzung. Hier seien nur einige wenige Beispiele genannt: Das WikiProjekt Kaukasus beispielsweise besitzt eine Artikelwerkstatt, in der neue Artikel herangezüchtet werden können. Das Projekt Adelshäuser führt eine Quellensammlung (sowohl Print- als auch Internetquellen). Diverse Projekte haben Wunschlisten, aber auch Seiten, auf denen die verbesserungswürdigen Artikel nach Wartungskategorien aufgelistet sind (lückenhaft, überarbeitungsbedürftig, quellenlos usw.). Das Projekt Straßen besitzt To-do-Listen, die je nach Fertigstellung mit einem Rot-, Orange-, Gelb- oder Grünstatus gekennzeichnet werden. Im Projekt Homosexualität gibt es einen Unterabschnitt »Übersetzungen«. Er enthält Seiten aus anderen Wikipedia-Sprachversionen, die tunlichst übersetzt werden sollten.
Auch Projekte können Ansprechpartner für Mängel in Artikeln oder im Kategorien- und Vorlagensystem sein. Hier können Richtlinien für Artikel eines Themenbereiches festgesetzt werden - dies kann aber auch in Portalen oder den Redaktionen passieren, je nachdem, wie dies die Autoren in einem Themenfeld geregelt haben. Ein Projekt kann ohne weiteres erstellt werden. Zwar sollte man sich vorher überlegen, wie sinnvoll ein neues Projekt wirklich ist, denn es braucht auch Pflege, Mitarbeiter und muss am Laufen gehalten werden. Schon einige Projekte sind nicht lange nach dem Start wieder eingegangen und nun inaktiv. Natürlich kann jedermann auch so ein inaktives Projekt wieder zu neuem Leben erwecken. Dennoch gibt es von Anfang an (schon seit 2003) Projekte zur Gestaltung und Verbesserung des Bestandes, deren Anzahl nun schon auf einige hundert angewachsen ist.



MC226

Vokabeln:


MC227

Beispiele
Nun kennt ein Wikipedianer (nennen wir ihn Thomas) alle drei dieser Anlaufstellen. Er hat in Artikeln diverse Fehler entdeckt und möchte sie publik machen, damit sich Leute effektiv um die Verbesserung kümmern können.
1. Thomas ist physikalisch interessiert und liest in seiner Freizeit gern Artikel durch, um sich weiterzubilden. Dabei entdeckt er in einem Artikel gravierende Mängel: Der Text beschreibt das Lemma nur sehr vage, verwirrend, und auch mit seinem kleinen Vorwissen erkennt Thomas, dass einige Aussagen nur falsch sein können. Er weiß, was er tun muss, und setzt oberhalb des Artikels einen Baustein, der diesen als verbesserungswürdig kennzeichnet und gleichzeitig daraufhinweist - und das ist das Signifikante und die Hauptaufgabe des Bausteins dass der Artikel den Mitarbeitern der Redaktion Physik zur Qualitätssicherung aufgetragen wurde. Hier wird nun darüber diskutiert, was besser gemacht werden kann: ob etwas und was genau falsch ist, wie man das ändert, wer was macht. Ist der ganze Prozess abgeschlossen - das kann je nach Fall einige Tage oder Monate dauern -, wird der Baustein aus dem Artikel entfernt, und er kann nun mit neuer Richtigkeit und Qualität strahlen.
2. Da Thomas demnächst eine Reise nach Kassel machen möchte, sucht er Informationen über die Stadt. Zwar könnte er im Internet suchen und die Seite der Tourist-Info anschauen; als Wikipedia-Liebhaber bevorzugt er aber immer noch seine Enzyklopädie, vor allem weil er genaue Details und seriöse Angaben braucht. Der Artikel »Kassel« ist da schon mal eine gute Anlaufstation, aber durch den vielen Text sind die Links zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten nur langsam und schwer zu finden. Besser wäre es hier, wenn die Artikel blockweise gesammelt wären und Thomas schnell auf den gewünschten zugreifen könnte. Er besucht also das Portal:Kassel und findet dort seine Artikel nach verschiedenen Themen wie Stadtbild und Bauwerke, Geschichte Kassels, Kultur oder Biographien aufgelistet. So hat er eine bequeme Übersicht über den gesamten Themenbereich Kassel.
3. Thomas ist leidenschaftlicher Fan von Opern und hat schon einige Artikel zum klassischen Musiktheater erstellt. Nun möchte er die Mängel, die er in manchen Artikeln noch deutlich hervortreten sieht, gezielt beheben und bestimmte Artikelwünsche anderer Benutzer erfüllen, sich also voll für den Themenbereich Oper einsetzen. Zu diesem Zweck trägt er sich in die jedem offenstehende Mitarbeiterliste des »WikiProjekts Oper« ein und nimmt ab sofort an Diskussionen und Aktionen zur Qualitätsverbesserung des Gebiets teil.


MC228

Vokabeln:


MC229

Schon gewusst? - oder: Wie kommt man flott auf die Hauptseite?
VON BENUTZER:BAKULAN
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Die Rubrik »Schon gewusst?« präsentiert vier interessante Aspekte aus neuen Artikeln auf der Hauptseite, jeweils zwei neue pro Tag. Jeder darf sich an der Suche und Auswahl beteiligen, auch eigene Vorschläge sind willkommen. Die Aktualisierung erfolgt täglich um Mitternacht und wird durch Administratoren durchgeführt. Artikel für die Rubrik sollten »neu« sein. Als neu gelten Artikel, die in den letzten 30 Tagen angelegt bzw. erstmals in den Artikelbereich verschoben wurden, oder Übersetzungen aus anderen Sprachversionen, die, auch unter Beibehaltung der Versionshistorie, innerhalb dieses Zeitraums importiert wurden.
»Schon gewusst?« dient hauptsächlich als Plattform für »kleine«, sonst kaum wahrgenommene Artikel, etwa »Seegrenzschutz«, »Konfettiparade«, oder wenig beachtete Enzyklopädisten wie August Karl Wilhelm Weissenbruch, Skurrilitäten wie Wilhelm Büschs Moritat »Trauriges Resultat einer vernachlässigten Erziehung« oder das Lemma zu dem Arzt und Religionsstifter Cyrus Reed Teed, der der Überzeugung war, die Menschen lebten nicht auf der Außen-, sondern auf der Innenseite einer Kugel. Solche Themen sind genauso willkommen wie kleine architektonische und historische Besonderheiten. Der »Elefantenkrieg zwischen zwei Zirkusbetreibern«, der »KaiserFranz-Joseph-Obelisk« wie auch die medizinhistorisch bedeutende »Pestmauer« gehören dazu. Nicht aber offensichtliche Lesenswert-, Exzellent- oder Schreibwettbewerbskandidaten, die zu den entsprechenden Rubriken komplimentiert werden.
Die Rubrik hat eine Reihe von interessierten Mitarbeitern, die sich nicht nur um die sogenannten Teaser kümmern. Der Teaser oder Aufmacher fasst den Artikel in ein, zwei Sätzen zusammen oder stellt besondere Aspekte dabei heraus. Die Mitarbeiter versuchen nicht nur interessante Aspekte der vorgeschlagenen Artikel angemessen anzupreisen oder geeignete Bilder einzufügen. Es geht auch darum, Artikelmängel auszubügeln, bevor der Artikel auf der Hauptseite landet. Der eine oder andere schreibt auch speziell Artikel, die für die Rubrik geeignet sein können, Howgh oder Tipus Tiger sind solche Beispiele. In den bis zu zwei Tagen, an denen die Artikel im Eingangsportal thematisiert werden, steigern sich die Besucherzahlen erheblich, 30- oder 40 000 Klicks sind keine Seltenheit.


MC230

Vokabeln:


MC231 - MC240[editar]

MC231

Vorgehensweise
Am 9. Januar 2011 wird der Artikel »Squirrel fishing« erstellt. Ein Benutzer hat ihn mit dem Kommentar »Sachen gibt's ...« bei »Schon gewusst?« vorgeschlagen. Die erste Idee für einen Teaser zu dieser außergewöhnlichen Sportart lautete: »Beim Squirrel fishing spielen Geduld, Behutsamkeit und nicht zuletzt auch Anglerglück eine wichtige Rolle.« Es geht wohlgemerkt um das Angeln nach Eichhörnchen auf den Campus amerikanischer Universitäten.
Benutzer Felistoria äußerte sein Entzücken und seinen Teaservorschlag mit den Worten »Squirrel fishing war Ende der 1990er Jahre eine experimentelle Angelsportart an US-amerikanischen Universitäten« und einem Smiley. In derlei Informationen sei die Wikipedia einfach wunderbar.
Mittlerweile wurden die ersten YouTube-Videos eingestellt. Allerdings befürchtete ein Benutzer, es drohe dem süßen Thema eine hässliche Löschdiskussion. Andere beruhigten ihn. Der Artikel erhielt weitere Quellen und wurde etwas besser formatiert. Ich hatte »Der muntere Zeitvertreib des Squirrel fishing wurde angeblich von in Bäumen nach Eichhörnchen angelnden japanischen Forschern auf dem ehrwürdigen Campus der Universität Harvard erfunden« vorgeschlagen und gebeten, den Artikel als »Chindogu-Sportart« zu kategorisieren. Benutzer Vux unterbrach die muntere Diskussion mit dem schnöden Verweis: »Für den 20.1. mit dem zwoten Teaser vorbereitet.« Der Artikel wurde während der zwei Tage auf der Hauptseite über 77 000 Mal angeklickt. Danach kamen monatlich immerhin etwa 400 Personen zum Lesen auf diese Seite.


MC232

Vokabeln:


MC233

Jahrestage und Specials
Auch der eine oder andere Jahrestag wird für »Schon gewusst?« genutzt. Zum 1. April 20x0 wurde Tama, die Katze mit Hut, erwähnt, die in ihrem ersten Dienstjahr als Bahnhofsvorsteherin 7,5 Millionen Euro erwirtschaftete, ebenso die Prinz-Philip-Bewegung, welche den Gemahl der britischen Königin als Gottheit verehrt. Sprich, es ging darum, Artikel zu finden, die nun wirklich nach Aprilscherz aussehen. Halloween und Weihnachten sind ähnlich dankbare Themen.
Die Themenbereiche decken seit Anbeginn (2004) die gesamte Wikipedia ab. Früher waren die Teaser direkt auf »Schon gewusst?« gemünzt, etwa dass Schokolade den Stoff Theobromin enthält, der für Hunde und Pferde tödlich sein kann. Von homophoben Senatoren wie Jim Bunning, dem Loheland der ältesten anthroposophischen Dorfsiedlung Deutschland bis zum Heidelberger Spargelessen sind verschiedenste Aspekte versammelt.
Das Spektrum reicht von Zeichentrickfilmen wie Persepolis, der das Leben der iranischen Regisseurin und Comiczeichnerin Marjane Satrapi thematisiert, über russische Lubki, Druckgraphiken mit satirischen, informativen, patriotischen oder sozialkritischen Inhalten, bis zu der für einzelne Parteien verlustreichen Gemeinderatswahl in Graz 2008. Teaser verleihen auch dem König von Mustang, Jigme Palbar Bista, trotz dessen Mangel an offiziellen politischen Rechten oder Befugnissen eine gewisse Aufmerksamkeit.
»Schon gewusst?« ist eine wunderbare Rubrik, die die Vielfalt des Wissens und verborgene Kleinodien der Wikipedia in geeigneter Weise darbringt und herausstellt.


MC234

Vokabeln:


MC235

Masse mit Klasse
VON KURT KULAC
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Als Wikipedia-Autor hat man es nicht einfach. Nicht selten ist man in den Weiten des eigenen Wissensgebietes auf sich allein gestellt und arbeitet mit unterschiedlich stark schwankender Motivation eigene Arbeitslisten ab. Welcher eingefleischte Artikelschreiber kennt dieses Problem nicht? Selbst in gut organisierten Redaktionen wie beispielsweise den »Biologen«, denen ich mich zugehörig fühle, fragt man sich manchmal, ob denn der gerade selbst verfasste Artikel überhaupt von jemandem gelesen wird. Während die eigene To-do-Liste größer wird, stockt das Abarbeiten der schier unermesslichen Flut von »Rotlinks«. So ging es mir im Herbst 2006, als gleichzeitig auch wieder mal die Wogen bei den damals noch getrennt stattfindenden Exzellenz- und Lesenswert-Kandidaturen anstiegen. Lange habe ich darüber gegrübelt, wie man Autoren motivieren könnte, eine größere Anzahl an guten, aber im Vergleich zu den exzellenten oder lesenswerten Artikeln deutlich kürzeren Artikeln zu schreiben. Es sollte noch fast ein Jahr dauern, bis aus der Idee Ernst wurde.
Der Vorläufer des heutigen Artikelmarathons, der »StubWettbewerb«, wurde im August 2007 zum ersten Mal ausgetragen. Fünf Autoren stellten sich dem Wettkampf, um in damals nur sechs Stunden eine größtmögliche Anzahl belegter Artikel über ein von einem Schiedsrichter vorgegebenes Thema (»Rekorde: Riesen und Zwerge, Schnellste und Lahmste«) zu verfassen. Immerhin 34 Artikel kamen am Ende zusammen. Wenn es auch schwierig war, im Rahmen des Themas zu bleiben, und dies letztendlich andere Autoren von der Teilnahme abschreckte, war diese Spielprobe die Geburtsstunde eines der erfolgreichsten Wettbewerbe von Wikipedia.




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Schnell war klar, dass eine Themenvorgabe zu einschränkend war, und auch das problematische Wort »Stub« - die verfassten Artikel waren schließlich weit umfangreicher, als dieses Wort suggeriert - wurde ausgetauscht und das Projekt in »Artikelmarathon« umbenannt. Bereits zu Weihnachten 2007 fand der erste dieser nunmehr regelmäßig veranstalteten Wettbewerbe als »Weihnachtsmarathon« mit dem überarbeiteten Regelwerk statt, das bis heute im Wesentlichen unverändert geblieben ist. Neun Teilnehmer schrieben in drei Tagen immerhin bereits 246 Artikel. War es zuvor in sechs Stunden gerade noch möglich, zehn Artikel auf den Zähler zu bekommen, konnte Benutzer:Carstor dieses Mal schon mit 48 Artikeln glänzen.
Der Zenit - in jeder Hinsicht - sollte aber noch lange nicht erreicht sein. Mehr und mehr Autoren interessierten sich für dieses Projekt und versuchten sich daran. Von Mal zu Mal stieg ihre Zahl genauso wie die der gesamten und die Maximalzahl der von einem Autor verfassten Artikel. Die Bastion der »Biologen«, die bis zur vierten Runde immer den Sieger stellten, wurde schließlich beim Weihnachtsmarathon 2008 durch Benutzer:Geiserich77 und seine damals noch unglaublichen 115 hauptsächlich Biographien umfassende Rekordleistung zu Fall gebracht. Zwar konterten die »Biologen« bereits beim nächsten Wettbewerb im Mai 2009 mit der Rückeroberung der ersten beiden Plätze, aber ihre Führung war nur von kurzer Dauer.
Schon beim nächsten Durchgang im Dezember 2009 verloren die Biologen die Oberhand sowohl bei den Stockerlplätzen als auch in der Bestenliste. Dieser Wettbewerb fand erstmals in zwei getrennt ausgewerteten Runden statt und endete mit einem Rekordergebnis für den Einzeldurchgang (1080 Artikel in drei Tagen) und für das Gesamtergebnis (1744 Artikel), was sicherlich auch an der bis heute unerreichten Teilnehmeranzahl von 62 Personen lag.




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Die Bilanz kann sich sehen lassen: In den bisherigen acht Auflagen des Artikelmarathons wurden 7862 Artikel von 133 verschiedenen Autoren erstellt, nicht mitgerechnet die vielen Sonderwettbewerbe wie der Olympia- oder Oscar-Marathon. Viele wichtige und große Lücken der Wikipedia konnten somit in Zusammenarbeit geschlossen werden. Es ist mittlerweile gar nicht mehr so leicht, wettbewerbsgeeignete Themen zu finden, die schnelles und unkompliziertes Schreiben ermöglichen. Aber vielleicht ist diese Entwicklung ja gar nicht schlecht. Auch umfangreichere Artikel zu komplizierteren Themen werden bearbeitet und sukzessive ausgebaut. Damit kann schließlich dem Grundsatz, dass »gute« Artikel erstellt werden, besser entsprochen werden: Bei all der Masse sollte Klasse dennoch oberste Priorität haben.
So hart der Kampf um die Stockerlplätze mittlerweile geworden ist, darf trotzdem nicht vergessen werden, dass es um die gemeinsame, spielerische Motivation zum Artikelschreiben geht. Bereits jeder einzelne Beitrag bringt die Wikipedia einen Schritt weiter, und das wichtigste Motto ist von Anfang an dasselbe geblieben: »Dabei sein ist alles!« Es lebe der Dienst an der Verbesserung unserer Enzyklopädie!



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Die Todesopfer an der Berliner Mauer
VON BENUTZER:BLUNT.
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Von den zehn Jahren der Wikipedia bekam ich nur etwas mehr als drei aktiv mit. Vorher war die Wikipedia für mich nur ein Nachschlagewerk unter vielen. Irgendwann wechselte ich dann die Seite: vom Konsumenten zum Autor. Mein größtes zusammenhängendes Projekt bisher waren die Artikel zu den Todesopfern an der Berliner Mauer. Im Oktober 2010 - nach etwas mehr als zwei Jahren - war es abgeschlossen. Mittlerweile hat jedes namentlich bekannte Maueropfer einen Artikel, der Übersichtsartikel wurde neu geschrieben, und auch die Randthemen, wie die Gedenkstätten oder die Mauerschützenprozesse, sind erfasst. Insgesamt habe ich über 110 neue Artikel geschrieben und viele existierende überarbeitet. Hinzu kamen noch einige Artikel zu den Fluchttunneln und der Fluchthilfe aus der DDR.
Eigentlich beschäftige ich mich in Wikipedia eher mit Architektur, Design, Kultur und Politik. Auf die Maueropfer stieß ich im Juni 2008 während einer Löschdiskussion über Artikel zu Bernd Lünser und Olga Segler. Als Westdeutscher, der im Alter von zehn Jahren weniger vom Mauerfall als von der Tatsache überrascht wurde, dass es ein zweites Deutschland gab, hatte ich vorher keine Berührungspunkte mit dem Thema. Der Maueropfer-Themenbereich war 2008 nicht sonderlich gut ausgebaut. Neben einer Liste mit fragwürdiger Einleitung unter dem Lemma »Maueropfer« gab es Artikel zu einigen Maueropfern (darunter überraschend vielen im Dienst getöteten Grenzsoldaten), von denen sich ungefähr zehn als Urheberrechtsverletzungen entpuppten - sie waren von chronik-der-mauer.de abgeschrieben. Diese Website, die Teil eines Forschungsprojekts des Zentrums für Zeithistorische Forschung ist, stellte auch für mich die wichtigste Quelle bei der Arbeit an den MaueropferArtikeln dar.



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Um die zehn Artikel vor der endgültigen Löschung zu bewahren und den damit verbundenen Informationsverlust zu verhindern, haben ein anderer Autor und ich die Artikel neu geschrieben - ohne fremde Texte zu übernehmen. Danach folgte in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder ein Artikel zu einem Maueropfer. Die meiste Zeit arbeitete ich in dem Themenbereich recht ruhig vor mich hin. Es gibt nur wenige andere Autoren, die mir über den Weg liefen (mal von Rechtschreib- und Formalkorrekturen abgesehen). An den Hauptartikel traute ich mich allerdings erst später ran. Ein guter Übersichtsartikel ist wesentlich aufwändiger als ein Personenartikel. Der WikipediaSchreibwettbewerb im März 2010 gab mir dann den nötigen Ruck. Während des Ausbaus der Personenartikel hatte ich schon einiges an Literatur gelesen. Jedoch war eine tiefere Lektüre nötig. Von dem vorherigen Artikel blieb nichts mehr übrig. Ich lagerte die Namensliste aus und schrieb sämtliche Texte neu. Dabei half mir besonders Lothar Spurzem, mit dem ich schon bei den Artikeln »VW Ti«, »Philip-Johnson-Haus« (Berlin) und »Harry Seidel« gut zusammengearbeitet hatte. Lothar ist für mich, den Fast-Legastheniker, eine wichtige Stütze bei der Rechtschreibung, der Grammatik und in Stilfragen. Leider wurde sein Engagement von einigen »Ur-Berlinern« nicht so positiv aufgenommen, wie ich es mir erhofft hatte. Unabhängig davon entstand am Ende ein guter Artikel, der beim Schreibwettbewerb in der Sektion »Geschichte« Dritter wurde und den Publikumspreis bekam.
Während des Abarbeitens der Personenliste entstand bei mir der Wunsch, die Maueropfer am 13. August 2010 - zwanzig Jahre nach der Wende - als »Artikel des Tages« auf der Hauptseite der deutschen Wikipedia vorzustellen. Formale Voraussetzung dafür war die Auszeichnung als »lesenswerter« oder »exzellenter« Artikel. Auch wenn ich persönlich keine sehr hohe Meinung von der Aussagekraft dieser Wikipedia-internen Auszeichnungen habe, musste ich die formale Hürde akzeptieren. Die folgende Kandidatur des Übersichtsartikels war mit Sicherheit die nervenaufreibendste Zeit meiner Wikipedia-Mitarbeit. Die oft schleierhaften und fadenscheinigen Aussagen, die als Argumente präsentiert wurden und mehr offenbarten, dass der Abstimmende keine Ahnung von dem Thema oder dem Forschungsstand hatte, als dass es sich um fundierte Kritik handelte, brachten mich mehrfach an den Punkt, alles hinzuwerfen. Die persönliche Meinung von Wikipedia-Autoren dürfen aber nicht maßgeblich für den Inhalt unserer Artikel sein. Wenn es für die vom Forschungsstand abweichenden Meinung keine Literaturnachweise gibt, ist zu akzeptieren, dass es sich nur um die eigene Meinung handelt und nicht um ein enzyklopädisch relevantes Faktum. Am Ende bekam der Artikel die Auszeichnung.



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Wikipedia hat auch andere Schattenseiten. Dazu gehört der systematische Vandalismus durch Benutzer eines Internetforums, in dem sich alle Bernd nennen. Sie wollen durchsetzen, dass Bernd Lünser bei seinem Fluchtversuch auf einen Grill fiel und dabei starb. Vehement versuchen sie, das seit zwei Jahren mit mehreren Benutzernamen und Quellenfälschungen durchzusetzen. Deswegen ist der Artikel leider für anonyme und neue Autoren nicht frei bearbeitbar. Auch persönlich motivierte Löschanträge, die immer mal wieder gegen Maueropfer-Artikel gestellt werden, stören mehr, als sie uns weiterbringen. Auch wenn sich für die private Meinung der Löschantragsteller keine Literatur finden lässt, beharren sie auf ihrer vom Forschungsstand abweichenden Meinung. Solche persönlichen Motive sind weder bei Artikelauszeichnungen noch bei Löschanträgen gute Leitlinien für die Erstellung einer Enzyklopädie. Ebenso wenig tragen sie zu einem guten Arbeitsklima bei.
Letztlich konnte mein Wunsch erfüllt werden, als die Todesopfer an der Berliner Mauer am 13. August 2010 als »Artikel des Tages« auf der Hauptseite der deutschen Wikipedia waren und etwa 42000 Mal angeklickt wurden. Bis zur Komplettierung aller Personenartikel dauerte es dann noch bis zum 5. Oktober 2010: Mit »Lothar Hennig« war der letzte Maueropfer-Artikel erstellt und damit mein Projekt vorerst beendet. Warten wir ab, ob die Forschung noch weitere Erkenntnisse bringt.



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MOTIVATION: FREIWILLIG FÜR FREIES WISSEN
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Eines der großen Rätsel, die Wikipedia ihren Kennern und Forschern stellt, ist die Motivation der Freiwilligen zur Mitarbeit. Bislang konnte darauf keine umfassende Antwort gefunden werden, obwohl die »Wikipedistik« verschiedene Ansätze bietet. Offenbar erwächst die Motivation der Wikipedia-Autoren aus einer Vielzahl verschiedener Erwägungen, die entweder einzeln oder im Zusammenspiel miteinander zu Mitarbeit und Engagement führen.
Wie viele Wikipedianer bestätigen, stellt sich mit der Zeit auch eine Art »Suchtfaktor« ein: Man beginnt sich als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen, mit all ihren positiven und negativen Aspekten. Die folgenden Geschichten, von jungen wie alten Wikipedia-Autoren verfasst, geben einen guten Eindruck von den verschiedenen Gründen für eine Partizipation bei Wikipedia.


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Unverhofftes Wiedersehen
VON ZIKO VAN DIJK
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Im Frühsommer 2007 war ich nach Flandern eingeladen. Der Antwerpener Esperanto-Klub feierte sein hundertjähriges Bestehen, und ich hielt einen Vortrag über die Geschichte dieser Sprache. Das Wochenendtreffen bot auch einen Vormittag mit Wikipedia-Kurs an. Außer von mir wurden die Interessenten von Yves Nevelsteen und Chuck Smith betreut, dem Gründer der Wikipedia auf Esperanto, der Vikipedio.
Es war nicht so sehr ein Kurs mit Vortrag, denn dazu fehlten uns auch die Lehrmittel, sondern wir gaben individuell Hilfestellung. Ich kümmerte mich unter anderem um eine ältere flämische Dame, die mit ihrem neuen Laptop angereist war und mir von ihrem Vater erzählte.
Den Vater hatte ich Anfang der neunziger Jahre, einige Jahre vor seinem Tod, kennengelernt. Ein wirklicher Weltbürger, Gründer einer Schule in Belgisch-Kongo, ein angesehenes Mitglied der Esperanto-Gemeinschaft. Er wäre mit seiner Wissensbegierde von der Wikipedia begeistert gewesen, sagte sie. Freunde hatten ihr geraten, einen Artikel über ihn anzufertigen, aber sie bezweifelte, ob es tatsächlich eine gute Idee sei, über Verwandte zu schreiben.
Der Vormittag öffnete mir die Augen dafür, wie schwer den meisten Menschen die Beteiligung an der Wikipedia fällt. So brachte ich meinen Schützlingen weniger das Mitmachen als das aktive Nutzen bei. Am Ende wollte ich das Gelernte noch einmal rekapitulieren und bat die Dame, doch mal in der Vikipedio den Namen ihres Vaters zu suchen. Auch wenn es vielleicht keinen Artikel gebe, so sei möglicherweise eines seiner Werke irgendwo aufgelistet.
Sie tat es, und über eine Weiterleitung kamen wir tatsächlich zu einem Artikel über ihren Vater. (Es hätte mich eigentlich nicht überraschen dürfen, aber ich war wohl intuitiv davon ausgegangen, dass sie bereits gesucht hatte.) Der Artikel war sogar recht lang, mit Foto und Weblink.
Wenn ich diese Geschichte erzähle, frage ich meine Zuhörer gern, was die Dame in diesem Moment spontan gemacht hat. Männer vermuten: Sie hat den Artikel gleich bearbeitet. Oder auf die Festplatte gespeichert. Oder ein Lesezeichen gesetzt. Nur Frauen erraten, ebenso einmütig wie zutreffend, dass die Dame in Tränen ausgebrochen ist.
Diese Reaktion einer Wikipedia-Leserin mag wenig repräsentativ sein. Mich aber erinnert sie immer wieder daran, dass wir für unsere Texte Verantwortung tragen und nie wissen können, mit welchen Augen die Wikipedia gelesen wird.


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